„Watch-Blog“

Landratswahl: Die „Enthüller“ von der SPD

Verspricht „die Wahrheit“ über den CDU-Kandidaten: Die Internetseite www.wo-weilbach-irrt.de ist neutral aufgemacht, stammt in Wirklichkeit aber von der Kreis-SPD. Screenshot: HNA

Kreis Kassel. Sie kommt als Enthüllungsplattform daher und verspricht „die Wahrheit über die Pressemitteilungen des CDU-Landratskandidaten": die Internetseite www.wo-weilbach-irrt.de

Wer wissen will, wer hinter dem sogenannten „Watch-Blog“ zu den Aktivitäten von CDU-Bewerber Patrick Weilbach (Baunatal) steht, tappt zunächst aber im Dunkeln. Erst ein Blick in das (vorgeschriebene) Impressum offenbart, wer sich nach eigenen Angaben der Aufgabe verschrieben hat, „irreführende und falsche Aussagen zu widerlegen“: Es ist die Landkreis-SPD selbst, die mit dem Blog Wahlkampf für ihren Kandidaten Uwe Schmidt macht. Der Landrat bewirbt sich bei der Wahl am 25. Januar um eine weitere Amtszeit.

In der Rubrik „Warum diese Seite nötig ist“ erhebt die Kreis-SPD Vorwürfe gegen die HNA. Während die Zeitung dem Landratskandidaten der Union eine Plattform biete, verwehre sie dem Landrat eine Stellungnahme und veröffentliche diese nicht, heißt es.

An dieser Stelle nehmen es die selbst ernannten Enthüller in Diensten der SPD mit der Wahrheit allerdings nicht ganz so genau. Im konkreten Fall ging es um die Reaktion des Landrats auf eine Pressemitteilung des CDU-Kandidaten zum Kreis-Haushalt. Diese Stellungnahme lehnte die Redaktion tatsächlich ab - aber nur deshalb, weil Schmidt in einem großen Bericht zuvor den 2015er-Haushalt bereits vorgestellt und auch aus seiner Sicht bewertet hatte.

Uwe Schmidt

Bei einer weiteren Stellungnahme des Landrats hätte es sozusagen 2:1 für Schmidt gestanden. Überdies gilt besonders in Wahlkampfzeiten ein wichtiger Grundsatz der Redaktion für Veröffentlichungen, und der lautet: keine Pingpong-Spiele. Leser der Printausgabe und Nutzer von HNA-Online sollen nicht durch ein Hin und Her in Presseerklärungen, das zu keinen neuen Erkenntnissen führt, gelangweilt werden. Landrat Schmidt findet die angeblich von seiner Wahlkampfkommission ersonnene Internetseite gut. „Es gehört zur freien Meinungsäußerung auch in Wahlkampfzeiten, falsche Behauptungen des Gegenkandidaten zu widerlegen.“ Der Internetauftritt sei im Übrigen auch ein gutes Beispiel dafür, dass er seinen Gegenkandidaten ernst nehme, sagte der Landrat auf HNA-Anfrage.

Bei den vermeintlichen Enthüllungen ist den Genossen allerdings offenbar schnell die Puste ausgegangen. Der erste und letzte Eintrag in dem Blog datiert vom 19. November 2014. Kommentare dazu: Fehlanzeige.

Von Peter Ketteritzsch

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