Lange Vorgeschichte

Landsmann entführt und mit dem Tod bedroht: Türke muss ins Gefängnis

Kreis Kassel. Auch für einen Ersttäter kann es eine Haftstrafe geben. Diese bittere Erfahrung machte am Dienstag ein 37-jähriger Mann aus dem Landkreis.

Er wurde vom Amtsgericht Kassel wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Staatsanwältin Verena Bring hatte zwei Jahre und zwei Monate, Verteidiger Schubert Freispruch gefordert.

Zugetragen hat sich die „Räuberpistole“ (Amtsrichter Kleinherne) mit den drei türkischen Männern am 23. Januar 2013. Nachts hatte der Angeklagte sein späteres Opfer, das damals eine Spielhalle in Oberzwehren betrieb, in Begleitung eines Döner-Imbiss-Besitzers aus Zierenberg abgeholt. Angeblich um ihm in Zierenberg mögliche Standorte für Spielautomaten zu zeigen. Nahe Zierenberg lenkte der Angeklagte den silberfarbenen Golf auf einen schneebedeckten Waldweg, zog einen Revolver und bedrohte den heute 39-Jährigen damit.

Schon vorher aufgelauert

Schon im August 2012 habe er ihm vor seiner Haustür in Zwehren aufgelauert und ins Bein geschossen, schilderte das Opfer und zeigte dem Gericht die Narbe einer Schusswunde in der rechten Wade.

„Heute bist du tot, ich erschieße dich sowieso, egal was du sagst“, habe der Angeklagte gedroht, berichtete der Zeuge. Hintergrund war angeblich ein etwa 15 Jahre zurückliegender Vorfall in der Türkei.

Der Entführte soll den Angeklagten verprügelt haben, konnte sich daran aber nicht erinnern. Zudem sei ein geplanter Autoverkauf zwischen beiden geplatzt.

Motiv unklar

Als Zeugen gehörte Polizeibeamte sprachen von einem größeren Geldbetrag, der zwischen beiden Männern strittig sei. Letztlich blieb aber das Motiv für die Tat unklar.

Der Angeklagte zwang den Döner-Besitzer, den Spielhallen-Chef zu fesseln, mit Klebeband zu knebeln und in den Kofferraum zu packen. Ein Schuss löste sich wenige Zentimeter vom Kopf des Bedrohten, das Projektil durchschlug den Radkasten des Golf. Der Döner-Verkäufer durfte gehen, mit dem Gefesselten im Kofferraum fuhr der Angeklagte stundenlang durch die Gegend und drohte immer wieder damit, den Entführten gleich zu erschießen.

„Irgendwann habe ich gesagt: Töte mich, lass mich nur noch einmal mit meinen Kindern telefonieren“, schilderte der Zeuge vor Gericht seine Todesangst. Doch plötzlich habe der Angeklagte seine Tötungspläne aufgegeben, die Fesseln gelöst und den Entführten zurück zur Spielothek gefahren. Dort habe man sogar noch zusammen Kaffee getrunken, berichtete das Opfer dem staunenden Gericht.

Scharfe Waffe

„Wir können dem Angeklagten keinen Orden dafür verleihen, dass er sein Opfer nicht erschossen und im Wald verscharrt hat“, begründete Richter Kleinherne das Urteil. Der Einsatz einer scharfen Schusswaffe gebe allem einen besonders gefährlichen Charakter. Obwohl der Angeklagte bislang nur wegen eines Verkehrsdeliktes vorbestraft sei, komme eine Bewährungsstrafe nicht in Betracht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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