420 000 Euro teure Maschine bringt Gülle direkt unter die Erde – Geruchsbelästigung soll damit abnehmen

Landwirte düngen ohne Gestank

Gülle-Injektion fürs Erdreich: Die Maschine von Heinrich Huhn (links) macht die Düngung der Felder zu einer sauberen Sache. Messer schlitzen den Boden auf. Über Schläuche wird die Gülle eingebracht. Grubber erledigen den Rest. Tankwagen befördern die Gülle zum Feld und betanken die monströse Maschine (kleines Foto). Fotos: Ricken

Kreis Kassel. Erstmals kommt in Breuna eine High-Tech-Maschine zum Einsatz, die Gülle nicht wie bisher üblich auf dem Feld verteilt und damit für üblen Gestank sorgt, sondern die Brühe flugs in der Erde verbuddelt.

Das soll nicht nur den Geruchssinn schonen, sondern auch die Umwelt, sagt Heinrich Huhn, landwirtschaftlicher Lohnunternehmer aus Lichtenfels. Erstmals werde das Gerät damit im Landkreis Kassel eingesetzt.

Wertvolle Mineralien und Dünger könnten durch die neue Technik im Boden besser wirken, und man brauche so weniger Gülle. Einer der wichtigsten Gründe für den Einsatz der neuen Maschine ist jedoch die novellierte Düngeverordnung in der Landwirtschaft, die seit Jahresanfang gilt. „Danach muss die Gülle auf Ackerflächen innerhalb von vier Stunden eingearbeitet werden“, erklärt Heinrich Huhn. Ein Vorgang, der vom Landwirt mit seinen konventionellen Geräten kaum zu bewältigen ist.

„Durch den Zubringerdienst der Tankwagen werden Straßen und Zufahrtswege nicht mehr verschmutzt.“

LOHNUNTERNEHMER HEINRICH HUHN

Der Einsatz der modernen Technik ist für den Landwirt kostspielig. 420.000 Euro habe er für das Grundfahrzeug samt Anbauteilen hinblättern müssen, sagt Huhn. „Ich denke, dass das eine Zukunftsinvestition ist.“ Bauern, für die die Anschaffung der High-Tech-Maschine zu teuer ist, können sich ein solches Gerät beim Maschinenring Kassel ausleihen. Das berichtet Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Kassel. „Dort gibt es Maschinen mit verschiedenen Ausbringungstechniken“, sagt er.

Egal, mit welcher Technik – ob herkömmlich oder mit neuer Methode – die Landwirte die Gülle aufs Feld bringen, Schulte-Ebbert hält den Vorgang an sich für notwendig. „Auf die Felder kommt die Gülle auf jeden Fall, weil sie wertvoller Dünger und für die Bodenstruktur gut ist.“

Eine besondere Geruchsbelästigung der Menschen in der Nachbarschaft sieht der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes sowieso nicht. Beschwerden hielten sich in Grenzen, sagt er. „Es ist normale Landwirtschaft, wenn Gülle aufgebracht wird.“

Heinrich Huhn und seine Mitarbeiter jedenfalls sind in diesen Tagen rund um Breuna mit der neuen Maschine im Auftrag der Biogasunternehmer aus Wettesingen unterwegs.

Da, wo bereits die grünen Halme des Wintergetreides auf dem Feld stehen, schlitzen die Messer der Maschine 20 bis 40 Millimeter tief den Boden auf. Gleichzeitig wird das Gärsubstrat aus der Biogasanlage über mehrere Schläuche in die Erde geleitet. Damit der Boden geschont wird, bewegt sich die Maschine im sogenannten Hundegang, das heißt leicht schräg, übers Feld.

Sie hinterlässt aufgelockerte, trockene Erde. Ebenso auf den abgeernteten Maisfeldern. Hier wird der Boden nach Einleitung der Gülle noch mit einem Grubber bearbeitet.

Während die knallrote Maschine ihre Bahnen auf dem Feld zieht, fahren Tankwagen die Gülle an. Mit einem Rohr wird die Flüssigkeit umgepumpt. „Durch den Zubringerdienst der Tankwagen werden Straßen und Zufahrtswege nicht mehr verschmutzt“, sagt Huhn. Dies habe in der Vergangenheit immer wieder für Ärger gesorgt.

Per GPS überwacht ein Mitarbeiter den reibungslosen Ablauf. Hier wird im Akkord gearbeitet. „Jede Betriebsminute der Maschinen kostet viel Geld“, erklärt der Lohnunternehmer.

Von Bea Ricken und Sven Kühling

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