Auseinandersetzungen zwischen Landwirten und Streckenposten

Anzeige nach Eskalation bei Nordhessen-Rallye

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Interessenskonflikt: An der Landesstraße zwischen Niederkaufungen und Vollmarshausen verfolgten viele motorsportbegeisterte Zuschauer die Rallye. Landwirte, die ihre Ernte einbringen wollten, mussten warten.

Lohfelden. Der Motorsport hat auch in unserer Region viele Anhänger, mehrere hundert Zuschauer verfolgten die ADAC-Nordhessen-Rallye, die am Samstag vom Lohfeldener Rüssel in den Werra-Meißner-Kreis führte. Doch es gab nicht nur Begeisterung für die Veranstaltung:

Das Interesse der Zuschauer galt besonders den Wertungsprüfungen auf der für den Durchgangsverkehr gesperrten Landesstraße zwischen Niederkaufungen und Vollmarshausen. Hier kam es auch zu Protesten von Landwirten, die sich bei der Einbringung ihrer Ernte behindert sahen. Um einer Eskalation vorzubeugen, brach der Kurhessische Motorsportclub Kassel (KMCK) die beiden letzten Wertungsprüfungen am Abend ab.

„Man hat die Sicherheitsbänder für die Zuschauer beseitigt und sogar einen unserer Streckenposten mit einem Trecker angefahren; es wäre lebensgefährlich geworden“, sagte der Pressesprecher des KMCK, Orest-Bodo Paul, der HNA. Die Polizei bestätigte einen tätlichen Angriff auf den Streckenposten nicht, vielmehr sei ein Rucksack von einem Trecker überrollt worden. Deshalb gab es eine Anzeige gegen den Landwirt.

Der Verein habe im Vorfeld mit allen Landwirten gesprochen und sich an die Auflagen der behördlichen Erlaubnis gehalten, so Paul weiter. „Wir haben keinem Bauern etwas getan“, sagte der KMCK-Sprecher, der „für die bedauerliche Entwicklung keine Erklärung“ hatte.

Wie gegensätzlich die Standpunkte sind, wurde an der Reaktion von Landwirt Jost Gundelach (Lohfelden) deutlich, der am Ortsrand Vollmarshausens auch von Kollegen Getreide einlagert. „Es ist nie gesagt worden, dass wir mit unseren Fahrzeugen beim Rein- und Rausfahren in Richtung Silo jeweils eine halbe Stunde warten müssen“, sagte Gundelach. Er habe grundsätzlich Verständnis für die Motorsportler, sei aber verärgert, „dass der Regierungspräsident so eine störende Veranstaltung mitten in der Erntezeit genehmigt“, sagte der Landwirt.

Berufskollegen reagierten eher gelassen auf die Unterbrechungen. Wie Landwirt Henning Rohde aus Niederkaufungen, der mit einem Anhänger voll Wintergerste wegen des Rennens eine lange Zwangspause einlegen musste. „Man muss die Bauern verstehen, aber ich halte mich neutral, weil es auch um Sportbegeisterung geht“, sagte der 70-jährige Landwirt Herbert Brethauer. Sein Sohn Jens habe dem KMCK am Morgen Strohballen an die Strecke gefahren.

Der KMCK-Vorsitzende und Rallye-Leiter Lothar Brobach hatte am Samstagmittag in den beiden Wettbewerben 21 Oldtimer-Fahrzeuge und 40 Teams für das Bestzeitrennen auf die Strecke geschickt. Die beiden ersten Plätze belegten Rudolph/Diemer aus Kassel im Opel Kadett (Retro) und Mahr/Geyer im Mitsubishi aus Hauneck.

Nordhessen-Rallye in Lohfelden

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