Raps steht dieses Jahr mannshoch

Landwirte in der Region erwarten gute Erträge

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Mannshoch: Der Raps steht in diesem Jahr höher als in durchschnittlichen Jahren. Landwirt Erich Schaumburg vom Gut Windhausen bei Niestetal prüft den Reifegrad der Ölfrucht in der Siechenbreite. Noch braucht der Raps einige Sonnentage bis zur Ernte.

Kreis Kassel. Trotz des milden Winters und des zu trockenen Frühjahrs sind die Landwirte mit dem Wachstum ihrer Nutzpflanzen durchaus zufrieden. „Es sieht ganz gut aus“, sagte Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, kurz vor Beginn der Erntezeit auf Anfrage der HNA

Auch Verbandsvorsitzender Erich Schaumburg, der selbst Landwirt ist und in Niestetal einen 300 Hektar großen Ackerbaubetrieb bewirtschaftet, rechnet mit einer normalen Ernte.

Voraussetzung für eine gute Ernte sei natürlich, dass es keine gravierenden Unwetter gebe – wie etwa vor drei Wochen, wo Starkregen mit Hagel auf manchen Feldern den Weizen komplett auf den Boden legte. Bis zu 90 Prozent Ausfall ermittelten die Hagelversicherer bei den Betroffenen. Das Getreide taugte hier nur noch für die Biogasanlage.

Das Unwetter vernichtete die Ernte laut Schulte-Ebbert aber nur sehr lokal. So war etwa im Wolfhager Land in drei Dörfern die Hälfte der Landwirte massiv vom Hagel betroffen, andere gar nicht.

„Gefühlt ist alles anderthalb Wochen weiter als in durchschnittlichen Jahren“, sagte Erich Schaumburg. Auf einigen Feldern hat bereits die Getreideernte begonnen. So sieht man etwa bei Heiligenrode und auch bei Dörnhagen die ersten Stoppelfelder, hier wurde die Wintergerste eingeholt. In den nächsten beiden Wochen soll die Gerste überall eingebracht sein.

Bei den Erträgen zeichnet sich laut Schaumburg eine durchschnittlich gute Ernte ab. Bei Böden, die gut mit Wasser versorgt sind, könne das Ergebnis auch überdurchschnittlich werden. Ermittelt wurde die Prognose durch Zählungen der Körner auf einer abgesteckten Fläche von ein mal ein Meter. Schaumburg geht von 5,5 bis 6,5 Tonnen pro Hektar bei der Gerste aus.

Als Nächstes dürfte dann der Raps reif werden. Ein paar Sonnentage fehlen ihm noch. Wanderern mag schon aufgefallen sein, dass der Raps in diesem Jahr höher wächst als normalerweise. Das bestätigt der Landwirt: Im Schnitt ist der Raps 10 bis 15 Prozent höher als sonst und erreicht damit in etwa Mannshöhe. „Eigentlich geht die Züchtung hin zu kürzerem Raps“, sagt Schaumburg. Doch in diesem Jahr sei der Raps wegen des warmen Frühjahrs sehr bald in die Länge gegangen; daher hätten die später gespritzten Fungizide ihre wachstumshemmende und verkürzende Wirkung kaum noch entfaltet.

Das gewonnene Rapsöl dient hauptsächlich als Lebensmittel, ein Teil des Öls geht als Beimischung in die Dieselproduktion. Der übrig bleibende Rapsschrot ist ein hochwertiges Eiweißfutter.

Mit der Weizenernte ist laut Schaumburg ab Ende Juli / Anfang August zu rechnen.

Der Mais entwickelt sich in diesem Jahr sehr unterschiedlich. Bei Standorten mit wenig Wasser haben die Pflanzen gelitten. Bis zur Ernte im September / Oktober könne sich das aber noch ausgleichen, meint der Landwirt. „Bei den Zuckerrüben sieht es nicht schlecht aus.“

Hintergrund: Getreide liegt mit 50 Prozent vorn

Im Landkreis Kassel gibt es nach Angaben des Bauernverbands 54 100 Hektar landwirtschaftliche Anbauflächen (Stand 2013). Sie werden von 1300 Bauern bewirtschaftet. Ein Drittel der Landwirte befindet sich im Altkreis Kassel. Auf dem größten Teil – 27 200 Hektar, das entspricht etwa 50 Prozent der Flächen – wird Getreide angebaut. Davon entfallen auf den Weizen 16 700 Hektar, auf die Gerste 7100 Hektar, den Roggen 1500 Hektar, den Hafer 600 Hektar. Das Grünland (Wiesen und Weiden) umfasst 12 000 Hektar. Auf 6900 Hektar werden Ölsaaten angebaut, der Großteil davon ist Raps. Mais wächst auf 3300 Hektar, Zuckerrüben auf 1100 Hektar, Kartoffeln auf 200 Hektar. (hog)

Von Holger Schindler

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