Landwirtschaftliche Woche in Baunatal - Ministerin: Bauern sollen weniger Felder abgeben

Wissenswertes für Landwirte: Volprecht von Gilsa (links) informierte sich bei Volker Dippel von der Berufsgenossenschaft darüber, wie sich die Haut bei landwirtschaftlicher Arbeit am besten schützen lässt. Fotos: Kühling

Baunatal. Jeden Tag werden in Deutschland 3,8 Hektar landwirtschaftliche Fläche für neue Straßen und Bauten verbraucht. Diese Entwicklung wollen die hessischen Landwirte stoppen und den Flächenverbrauch deutlich verringern.

Das ist eine Botschaft, die Bauernverbandspräsident Friedhelm Schneider und Landwirtschaftsminsterin Lucia Puttrich (CDU) den Teilnehmern der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal gestern mit auf den Weg gaben.

Mittelfristig soll der tägliche Verbrauch auf 2,5 Hektar sinken, sagte Puttrich. „Wir müssen sehen, dass die Fläche bei der Landwirtschaft bleibt“, ergänzte Schneider.

Rund 400 Gäste verzeichneten die Organisatoren am Eröffnungstag. Bis Donnerstag tagen die hessischen Landwirte in der Baunataler Stadthalle. Dabei geht es auch um gemeinsame Agrarpolitik der EU-Staaten ab dem Jahr 2014.

600 Seiten mit Verordnungstexten für Landwirte gebe es, sagte Puttrich. Das werfe Fragen zur Überreglementierung und von zu viel Bürokratie auf. Als Beispiel für hohen Verwaltungsaufwand nannte die Ministerin, dass in Hessen allein 25 Millionen Euro für die Abwicklung der EU-Agrarförderung aufgewendet werden. Jeder Förderantrag verschlinge 2500 Euro für Verwaltung, wobei die durschnittliche Fördersumme selbst unter diesem Betrag liege. Applaus erntete Puttrich für ihre Forderung, dass mehr von dem Geld bei den Bauern ankommen müsse.

Hessen wehrt sich mit den anderen Ländern gegen die Verordnungsflut aus Brüssel. Trotz des Ärgers darüber, sagte Puttrich, dürfe man aber die Chancen nicht vergessen, die es in der EU gebe. Unter anderem könnten die hessischen Bauern eine Vorbildfunktion für andere Staaten einnehmen, wenn es um den Einsatz klimaschonender Energieformen gehe.

Lucia Puttrich

Bis zu 2500 Teilnehmer erwartet Organisator Heinrich Heidel für die drei Tage in Baunatal. In den Arbeitsgruppen geht es auch um neue Aufgabenbereiche für Landwirte. Beispielsweise um die Abgabe von Flächen für Stromtrassen - wie etwa die geplante 380-kV-Leitung im Kreis Kassel. Verbandspräsident Friedhelm Schneider forderte, dass die Firmen, die Geld in solche Trassen steckten, Geld an die Landwirte abgeben müssten. Grundsätzlich müssten sich die Landwirte aber diesem Thema stellen. Beratung gebe es sowohl beim Bauernverband als auch beim hessischen Wirtschaftsministerium, betonten die Verantwortlichen.

Landwirt Dierk Koch aus Großenritte erhofft sich für die nächsten Tage unter anderem Hinweise auf Förderprogramme. Der Baunataler könnte einer der Landwirte mit Vorbildfunktion beim Klimaschutz sein, von denen die Ministerin sprach. Er betreibt in Großenritte eine Biogasanlage.

Von Sven Kühling

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