Lange Trockenheit: Kasseler Landwirte sorgen sich um die Ernte

Sorgenvoller Blick: Erich Schaumburg begutachtet den Weizen, der auf einem Feld am Gut Windhausen wächst. Noch sieht er Chancen für den Weizen, auch wenn sich dort die Blätter bereits gelb färben. Fotos: Seidenfaden

Die Sonne steht am Himmel, gelegentlich kommt eine Wolke - nur Regen will einfach kaum fallen. Zum Leidwesen der Landwirte, denn denen macht die Trockenheit richtig zu schaffen.

„Es hat im Juni ja praktisch noch gar nicht geregnet“, sagt Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Kassel. Und das hat Auswirkungen auf die Pflanzen. „Der Raps wirft seit einigen Tagen Schoten ab, weil er die nicht mehr durchbringen kann“, erklärt Schaumburg. Auch die Wintergerste sei ein großes Sorgenkind bei den Landwirten. „Die Gerste reift schon ab, das passiert eigentlich erst Ende Juni, Anfang Juli und lässt sich nicht mehr aufhalten“, sagt Schaumburg, der das Gut Windhausen bei Nieste bewirtschaftet. Die frühe Reife hätte zur Folge, dass die Qualitätsvorgaben für die Gerste schwer zu erreichen wären. Auch bei anderen Getreidearten müsse man mit Verlusten rechnen, betont Schaumburg. „Die Einbußen liegen jetzt schon bei rund 15 Prozent“, schätzt der Landwirt - mit der Tendenz nach oben, wenn es weiter trocken bleibt. Sollte es in den nächsten Tagen noch regnen, könnte damit vor allem dem Weizen noch geholfen werden.

Dicke Risse: Der Boden auf den Feldern ist knochentrocken und bereits aufgebrochen.

Die landwirtschaftlichen Flächen künstlich zu bewässern, ist allerdings auch nicht möglich. Im vergangenen Monat seien nur 20 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, gebraucht würden aber 80 Liter. „Um das auszugleichen, würden wir pro Hektar 600 000 Liter Wasser benötigen“, erklärt Schaumburg. Als komplette Rechnung nennt er sein Gut. Für die 300 Hektar landwirtschaftliche Fläche hätte er 18 Millionen Liter Wasser in nur einem Monat benötigt. „Wasser ist ein kostbares Lebensmittel, das können wir nicht einfach nutzen“, sagt Schaumburg. Einzig kostbare Sonderkulturen wie Erdbeeren, Heidelbeeren oder Kohlrabi würden beregnet werden.

Als Grund für die Dürre vermutet Schaumburg den Klimawandel. „Wir haben deutlich mehr Extreme, in denen sich lange Trockenheit und heftige Niederschläge abwechseln“, erklärt der Landwirt. Zumal die Niederschläge nun zu anderen Zeitpunkten kommen würden.

An eine ähnlich schwere Zeit kann sich der Landwirt nur einmal erinnern. „1976 gab es eine ähnliche Situation in Mittelhessen. Da sind die Leute aus dem Bereich um Dieburg hierhergekommen, um Stroh zu kaufen.“

Die Trockenheit bringt aber noch ein weiteres Problem mit sich. „Die Anzahl der Schädlinge in diesem Jahr ist sehr hoch“, klagt Schaumburg. Weil das Getreide schwach sei, würden sich Tiere und Pilze an den Pflanzen festsetzen. „Wir setzen Pflanzenschutzmittel nur ein, wenn sie nötig sind. Aber momentan müssen wir noch spritzen fahren“, erklärt Schaumburg.

Aber nicht nur auf dem Feld kämpfen die Landwirte mit dem Wetter, auch Tierbetriebe haben einige Sorgen. „Auf den Wiesen wächst kaum noch Gras, und Futter ist auch nicht immer da“, sagt Schaumburg. Das habe zur Folge, dass die Betriebe die Anzahl der Tiere reduzieren müssten. „Da hängen aber Existenzen dran“, erklärt Schaumburg.

Mit einem Blick auf die Wettervorhersage werden die Sorgenfalten beim Kreisbauernverbands-Vorsitzenden aber nicht geringer. Bis Ende des Monats soll kaum Regen fallen.

Von Max Seidenfaden

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