Laser-Attacke auf Autofahrer: Freispruch nach Ermittlungspanne für 26-Jährigen

Lohfelden/Kassel. Kleiner Fehler, große Wirkung: Gleich zwei Polizeibeamte haben den feinen Unterschied zwischen 9 Uhr morgens und 9 Uhr abends in ihren Berichten nicht so genau genommen. Zum Glück für einen 26-jährigen Angeklagten vor dem Kasseler Amtsgericht.

Die Ermittlungspanne mündete für ihn in einen Freispruch. Dem 26-jährigen Kasseler war vorgeworfen worden, an einem Dezembermorgen 2011 mit einem Laserpointer aus dem Auto eines Freundes heraus andere Verkehrteilnehmer geblendet zu haben.

Aktualisiert um 18 Uhr

Die Anklage lautete auf versuchten gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, weil der Mann zumindest die Gefährdung von Leib und Leben anderer billigend in Kauf genommen habe. Der Beschuldigte räumte ein, mit dem Laser an besagtem Tag auf „parkende Autos“ gezielt zu haben – aber „mittags“ und „nicht auf andere Fahrer“.

Als sich dann während der Beweisaufnahme herausstellte, dass die angeklagte Tat abends begangen worden war, sprach Richter Grund den Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei. Zu Prozessbeginn hatte es noch so ausgesehen, als würde der Kasseler nicht ungeschoren davon kommen. Noch war Richter und Oberstaatsanwalt egal, ob nun am Vormittag um 9 Uhr auf dem Zubringer zur A 49 bei Lohfelden geleuchtet wurde, wie es in der Ermittlungsakte der Polizei hieß, oder am frühen Nachmittag wenige Hundert Meter davon entfernt am Industriepark Waldau, wie der 26-Jährige sagte.

Beide mutmaßten, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass ein anderer die Tat begangen haben könnte. Der Angeklagte gestand, mit dem Laserpointer während der Fahrt herumgespielt und einmal die „helle Plane eines Lastwagens“ angeleuchtet zu haben – jedoch nicht ins Führerhaus und auch nicht in den Rückspiegel eines anderen Pkw. „Wenn, dann vielleicht versehentlich“, beteuerte er.

Oberstaatsanwalt Jürgen Müller-Brandt war zu diesem Zeitpunkt wenig von der Glaubwürdigkeit dieser Geschichte überzeugt. „Sie sind doch kein Kleinkind. Was spielen Sie überhaupt mit so einem Ding herum?“, schnaubte er den Angeklagten an. Als jedoch einer der Geschädigten berichtete, dass er „spät abends“ mit einem „grünen Lkw ohne Plane“ unterwegs war und auch die Aussage des Tatwagen-Fahrers nichts Erhellendes beitrug, kippte der Prozess. „Hier bleibt der Justiz nur noch die Kapitulation“, gestand der Oberstaatsanwalt ein und forderte Freispruch.

Zynisch fügte er seinem Plädoyer in Richtung des Angeklagten hinzu: „Da haben Sie aber Schwein gehabt. Hoffentlich zweifeln Sie nicht am Rechtsstaat, wenn Sie hier freigesprochen werden.“ (cal)

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