Behörden lehnen Tempo 30 auf der Hauptstraße in Wattenbach ab – Bürgermeister appelliert an Vernunft

Laster dürfen weiterhin 50 fahren

Starkes Gefälle: Von der Kreuzung am Brand führt die Landesstraße steil hinab nach Wattenbach. Anwohner fürchten, dass Lastwagen auf der abschüssigen Welleröder Straße außer Kontrolle geraten und einen schweren Unfall verursachen könnten. Foto: Wohlgehagen

Söhrewald. Seit Langem treibt viele Bewohner des Söhrewalder Ortsteils Wattenbach die Sorge um, dass es irgendwann einen schlimmen Unfall mit einem Lastwagen geben wird. Der Grund: Von der Kreuzung am Brand, dem Höhenzug zwischen Wellerode und Wattenbach, führt die Welleröder Straße steil hinab in den Ort. Über 30 Bürger hatten daher beantragt, die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Lastwagen über 7,5 Tonnen von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde (km/h) zu begrenzen.

Doch daraus wird nichts. Die Verkehrsbehörde des Landkreises lehnt eine Temporeduzierung ab. Nach Einschätzung der Behörde ist eine Temporeduzierung rechtlich nicht möglich. Zwar hatten Geschwindigkeitsmessungen ergeben, dass auf der Gefällstrecke zu schnell gefahren wird; eine Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit aus Gründen der Verkehrssicherheit komme aber nur infrage, wenn es in dem Streckenabschnitt überdurchschnittlich viele Unfälle gebe. Dies, so die Verkehrsbehörde, sei in Wattenbach aber nicht der Fall. Auch liege keine Schule oder eine Kindertagesstätte an der Straße, was eine amtliche Anordnung rechtfertigen würde.

Auch das zweite Argument der Bürger für eine Temporeduzierung, die erhöhte Lärmbelastung durch zu schnell fahrende Lastwagen, sticht nach Einschätzung der Behörde nicht. Eine amtliche Anordnung aus Lärmschutzgründen komme nur in Betracht, wenn dadurch eine wahrnehmbare Reduzierung der Geräusche um mindestens drei Dezibel (A) erreicht werden könne. Nach Auskunft des für die Landesstraße zuständigen Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) in Kassel haben Messungen ergeben, dass dies nicht möglich ist. Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel (SPD) setzt nun wie bisher auf den Einsatz von Geschwindigkeitsanzeigern, darunter ein fest installiertes und flexibel einsetzbare Geräte. Vor allem aber appelliert der Verwaltungschef an die Vernunft der Lastwagenfahrer. „Wir wollen Überzeugungsarbeit leisten, auch über die Medien“, sagt Steisel. Gleichwohl werde die Gemeinde künftig immer wieder bei den Behörden vorstellig. Steisel: „Manche rechtlichen Bestimmungen verändern sich mit der Zeit.“ Bauliche Veränderungen der Ortseinfahrt, die die Behörden ebenfalls für nicht praktikabel halten, bergen laut Steisel neue Probleme. „Wenn Lkw an Verkehrsinseln bremsen müssen, verursacht das ebenfalls Lärm.“ DAS SAGT

Von Peter Ketteritzsch

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