Streit mit dem Vermieter: Trautes Heim wird zum Albtraum

Regina Birkenbach

Fuldatal. „Eigentlich wollten wir bis zu meinem Rentenalter hier bleiben“, sagt Regina Birkenbach. Im Sommer 2007 zog sie mit ihrem Ehemann Ferdinand Götte in das gemietete Einfamilienhaus auf dem Hasenstock. Aus der erhofften Idylle im trauten Heim ist nun aber ein Albtraum geworden.

Nach Streitigkeiten mit dem Vermieter soll das Paar Ende des Jahres ausziehen. „Das kann ich mit meinem schwer kranken Mann aber nicht“, sagt die 55-Jährige.

Außerdem hätten sie und ihr Mann viel in das Haus und die Ausstattung investiert. Regina Birkenbach denk dabei nicht nur an die passgenau eingebaute Küche. Damals, als sie einzogen, sei das Haus quasi noch ein Rohbau gewesen. So übernahmen es die Mieter zum Beispiel, „alle Wände, Fensterbänke und Türen zu verspachteln“, ehe sie im Innern komplett tapezierten.

Dieses Entgegenkommen fanden die Mieter noch in Ordnung, hatten sie mit dem Hausbesitzer doch vereinbart, „spätestens binnen eines Jahres sollte alles fertig sein“. Dies sei aber bis heute nicht der Fall. Außerdem seien viele Arbeiten am Bau vom Besitzer selber unsachgemäß ausgeführt worden.

2009 eskalierte der Streit zwischen Mieter und Vermieter. „Wir hatten die Nase voll, es sah immer noch wie eine Baustelle aus“, sagt die Mieterin. Der Außenputz war nicht fertig, Schuttberge lagen rund ums Haus. In der Garage fehlte der Innenputz, am Carport die Dachrinne. Die Elektroinstallation im Keller „war mangelhaft und teils lebensgefährlich“. Die Enden von Kabeln ragten zum Teil nicht isoliert aus Abzweigdosen heraus.

Wegen dieser Mängel riet Anwalt Gerd Hollstein dem Paar, die Kaltmiete von 820 Euro im Monat um 200 Euro zu mindern. Es folgte vom Anwalt des Vermieters ein Mahnbescheid auf komplette Mietzahlung und dann eine fristlose Kündigung.

Die Parteien trafen sich das erste Mal vor Gericht. Eine Entscheidung wurde nicht getroffen, der Vermieter hatte sich nach eigenen Angaben inzwischen von seiner Frau getrennt und machte Eigenbedarf geltend. Bei einem zweiten Gerichtstermin kam es zu einem Vergleich: Wegen des Eigenbedarfs des Hausbesitzers sollten Birkenbach und Götte Ende 2011 ausziehen.

Inzwischen ereignete sich aber ein folgenschwerer Zwischenfall. Der schwer kranke Ferdinand Götte stürzte auf der Außenkellertreppe so schwer, dass er sich einen komplizierten Oberschenkelbruch zuzog. Nach mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt befindet er sich derzeit in der Reha.

Der Unfall hänge mit der mangelhaften Treppe aus Betonpalisaden zusammen, sagt Birkenbach. Die Stufen variierten in der Höhe, seien uneben, außerdem fehle ein Handlauf. Anwalt Hollstein sieht den Tatbestand einer vorsätzlichen Körperverletzung gegeben und zeigte den Hausbesitzer an.

Regina Birkenbach will, dass alle Mängel endlich beseitigt sind, bis ihr Mann aus der Reha zurückkommt. Nicht verstehen kann sie, dass die Bauaufsicht, die sie mehrfach auf die Mängel am Haus hingewiesen habe, nicht einschreite.

Das sagt der Landkreis-Sprecher

Dass ein Mitarbeiter der Bauaufsicht beim Landkreis Kassel Mieterin Regina Birkenbach darauf hingewiesen habe, für die von ihr beschriebenen Mängel am Haus nicht zuständig zu sein, treffe zu. Dies sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Bei Einfamilienhäusern schaue man sich nur die „notwendigen Bestandteile“ an. Und dies seien die Treppen zum Hauseingang und im Innern. Und der Zugang zur Haustür erfülle die Norm, sei noch im Rahmen der Toleranzen. „Die genaue Ausführung ist Sache des Zivilrechts.“ Die Außentreppe zum Keller sei keine notwendige Treppe, man komme von innen in den Keller. „Die spielt für die Bauaufsicht keine Rolle, auch wenn die Treppe nicht in Ordnung, uneben und ohne Handlauf ist“, sagt Kühlborn. Die Verkehrssicherung sei Sache des Vermieters, „da ist der Landkreis außen vor“. (mic)

Das sagt der Anwalt des Vermieters

Die Außentreppe in den Keller sei ein Streitpunkt mit den Mietern gewesen, sagt Dieter Meyer, Anwalt des Vermieters. Darüber habe es aber bereits einen zivilrechtlichen Streit gegeben, bei dem ein Räumungsvergleich geschlossen wurde. Das Haus sei „mehr oder weniger fertiggestellt, der Rechtsstreit zu Ende“, meint Meyer. An Mängelbeseitigung stehe nichts aus. Und: „Wir warten darauf, dass die Eheleute ausziehen.“ Jetzt behaupte die Gegenseite, Ferdinand Götte sei gestürzt. Sein Mandant sei wegen Körperverletzung angezeigt worden, Schadenersatzansprüche stünden im Raum. Bevor er dazu etwas sagen könne, müsse er erst die Ermittlungsakte einsehen. „Aber Herr Götte weiß, dass die Stufen nicht so sind, wie sie sein sollen. Wenn er darauf geht, hat er sich vielleicht auch selbst gefährdet“, meint Meyer. (mic)

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