38 Jahre war Gunther Schütz Geschäftsführer des Verbandes der Zuckerrübenanbauer

Ein Leben für die Rübe

Aus Stoff: Das überdimensionale Exemplar bewahrte Gunther Schütz in seinem Büro in Simmershausen auf. Jetzt wechselt der Geschäftsführer des Verbandes der Zuckerrübenanbauer Kassel in den Ruhestand. Fotos: Schräer

Fuldatal. Waltraud Schütz bringt es auf den Punkt: „Bei uns hatte die Rübe Familienanschluss.“ Insgesamt 38 Jahre drehte sich in ihrem Hause fast alles um die Frucht, die vielen Landwirten in der Region einträgliche Einkünfte bescherte. Und dies auch dank Gunther Schütz, der seit 1973 deren Interessen vertrat.

Ende Februar geht der 66-jährige Geschäftsführer des Verbandes der Zuckerrübenanbauer Kassel in den Ruhestand. Und mit ihm seine Frau, die ihn die ganze Zeit als Sekretärin unterstützt hatte.

Home office, also vom Büro im eigenen Haus aus zu arbeiten, dies gab es bei ihnen schon, als der Begriff hierzulande noch unbekannt war, sagt der Geschäftsführer. Was zur Folge hatte, dass sich das Paar am Wohnort Simmershausen auch an Wochenenden oder mal rund um die Uhr in Sachen Zucker einsetzte.

Zum Beispiel in den Jahren 2005/2006, als die Rübenbauern - auch der Region - um ihre Existenzen bangten, nachdem die großen Zuckerproduzenten Brasilien, Indien und Thailand den Zugang zum EU-Markt erstritten. Die europäischen Landwirte 40 Prozent weniger für ihren Zucker erlösten, von dem sie per Quotenregelung 30 Prozent weniger absetzen durften.

3000 Mahnfeuer wurden entzündet, später stiegen bundesweit Luftballons in den Himmel, auch vom Kasseler Friedrichsplatz aus, nach dem Motto „35 000 Existenzen gehen in die Luft“. „Wir haben gekämpft wie die Löwen“, sagt Gunther Schütz.

Dennoch gaben viele auf. 1993, in der Hochzeit des Verbandes, betreute Schütz 4500 Erzeuger, jetzt sind es noch 1500, die im Schnitt mehr Fläche bewirtschaften. Jeden, den der studierte Landwirt fachlich beriet, gegenüber Südzucker, dem Dachverband Süddeutschland bis hin zu EU-Kommissionen vertrat und denen er bei der Vermarktung half, kannte Gunther Schütz mit Namen. Das half bei Verbandsversammlungen mit bis zu 400 Teilnehmern, wenn es hoch herging.

Damit ist Schluss. Nicht aber mit seinem Engagement in Sachen Landwirtschaft. In Ostpreußen will er an der Uni vermehrt Vorträge halten. Und als Seniorexperte hat er sich für Russland, Südamerika und Kanada registrieren lassen. „Der Job war für mich ideal“, sagt Gunther Schütz. „Rüben sind eine spannende Sache und die Menschen das Allerbeste.“ Um zu entspannen, gebe es nichts Schöneres, als am Abend im Juni mit der Hacke im Feld zu stehen und Restunkraut zu beseitigen.

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Von Michael Schräer

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