Tag der Tracht: Mundart und Musik auf der Bühne - Brauchtum zum Anfassen

Tag der Tracht: Mundart und Musik auf der Bühne - Brauchtum zum Anfassen

Aufwendig: Anja und Helmut Wimmer präsentieren die Schwälmer Tracht.

Vellmar. Was haben Jeanshosen bei Jugendlichen und der Anzug eines Managers gemeinsam? Sie bestimmen die geltende Kleiderordnung und sind somit – eine Tracht. Beim Tag der Tracht in Frommershausen waren Jeanshosen jedoch kaum zu sehen. Im Mittelpunkt standen traditionelle Trachten mit schwingenden Röcken und bestickten Tüchern, Kniebundhosen und prächtigen Westen.

Die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) Nord hatte (wie gestern kurz berichtet) zu der Veranstaltung eingeladen. „Wir wollen zeigen, wie es früher war“, erklärte Bezirksleiter Helmut Wimmer. „Es ist wichtig, heimatliches Brauchtum für die Nachwelt zu erhalten. Denn daraus ist Heutiges entstanden“.

Tag der Tracht: Mundart und Musik auf der Bühne

Und so präsentierten Trachtenvereine und Tanzgruppen aus der Region traditionelle Volksmusik, Volkstänze, Theater, Mundart und heimatliches Brauchtum - selbstverständlich in festlicher Bekleidung. „Wenn wir als Verein auftreten, sind wir immer in Tracht“, erklärte Helmut Wimmer.

Und das ist im Fall des Ehepaares Wimmer die Schwälmer Tracht. „Ich möchte die Tradition weiterleben lassen“, sagte Anja Wimmer, die ihre Originaltracht geerbt hat. „Die Schwälmer Tracht kann man heute so gar nicht mehr herstellen, weil es viele althergebrachte Verfahren, zum Beispiel beim Färben, nicht mehr gibt“.

Um ein althergebrachtes Verfahren ging es auch bei der Flachsstraße. Die Brauchtumsgruppe der Schwälmer Tanz- und Trachtengruppe zeigte die Arbeitsschritte, die früher nötig waren, um aus Flachs Leinen zu gewinnen.

So erklärte Walter Dörrbecker am Reff, wie die Samenkapseln abgestrichen werden. Am Brech wird die grobe Hülle weggebrochen, um sie anschließend mit Schwingstock und -eisen abzustreifen. Mit dem Hechel werden dann die letzten groben Teile entfernt, bevor das Leinen gesponnen werden kann. Drei Stationen weiter entsteht am Webstuhl der Stoff.

„Wir wollen zeigen, wie es früher war.“

Und während die Stickfrauen noch eifrig die Leinenstoffe verzierten, wurde auf der Bühne getanzt, gesungen und Theater gespielt. Viel Anklang fanden die in Mundart vorgetragenen Sketche und Gedichte, wenn sich deren Pointe auch nicht jedem sofort erschloss. Spätestens bei der Übersetzung schwollen Gelächter und Applaus der knapp 300 Gäste dann mächtig an. „Wir freuen uns, wenn wir Interesse wecken konnten, und wenn die Menschen am Abend sagen: Das hat Spaß gemacht“, erklärte Helmut Wimmer.

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