600 000-Euro-Auftrag fürs Baltikum

Unternehmen Miho: Leere Flaschen sind ihr Metier

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Verschiedene Formen: Thomas Käsinger programmiert Flaschengrößen auf die Rechner, damit diese mögliche Schäden an den Flaschen auch erkennen können.

Ahnatal. 60 000 leere Flaschen pro Stunde rauschen auf dem Band der Hochtechnologiemaschine vorbei. Sie werden mit Lichtblitzen ausgeleuchtet, von einer Kamera erfasst, bevor Computer in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob die Mehrwegflaschen vor der erneuten Abfüllung schadhaft oder verunreinigt sind und aussortiert werden müssen.

Ein hochspezialisierter Prozess, der mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist. Leerflascheninspektion nennt sich das. Und das Unternehmen Miho Inspektionssysteme in Ahnatal ist Spezialist dafür.

Selbst entwickelt und selbst gebaut: Vertriebsleiter Alexander Benicˇ präsentiert Bauteile für die Miho-Maschinen, in denen später die Spezialtechnik untergebracht wird.

„Unsere Maschinen müssen sehen und beurteilen können“, sagt dazu Michael Horst. Er ist Geschäftsführer der Firma, die diese Hochfrequenzmaschinen entwickelt, baut und in alle Welt verkauft. Erst vor Kurzem hat Miho einen Großauftrag hereingeholt, eine Lieferung von drei David-2-Maschinen für die Standorte der Brauerei Carlsberg Baltica in Litauen, Estland und Lettland. Investitionsvolumen: 600 000 Euro. Innerhalb von knapp acht Wochen müssen die „Davids“ montiert, geliefert und aufgebaut werden. „Eine echte logistische Herausforderung für uns“, sagt Vertriebschef Alexander Benicˇ.

Kunden von Miho sind unter anderem 1000 Brauereien aus aller Welt, aber auch aus der Region. Die Hütt-Brauerei aus Baunatal zum Beispiel ist darunter. Sie alle schätzen die Produkte der Tüftler aus Ahnatal, die alle Maschinen selbst entwickeln

„Zehn Prozent unseres Umsatzes fließen wieder in die Forschung“, sagt Michael Horst. Der Umsatz lag in den vergangenen Jahren zwischen sieben und zwölf Millionen Euro pro Jahr. Und dies ohne Lobby oder Subventionen. „Wir haben niemand in Berlin, der regelmäßig mit Frau Merkel Kaffee trinkt“, sagt der Chef und schmunzelt.

Die Auftragslage des Unternehmens, das weltweit nur zwei ernsthafte Mitbewerber am Markt hat, bestimmen oft Faktoren, die auf den ersten Blick mit Leerflascheninspektion nicht so viel zu tun haben. Auch wenn ein Miho-Mitarbeiter kein Fußballfan ist, freut er sich zum Beispiel auf die EM in Polen und die Weltmeisterschaft in Brasilien 2014. Denn dann wird viel gefeiert und viel getrunken, wissen die Brauereien und investieren vor diesen Großereignissen oft in moderne Technik. In Polen zum Beispiel rüstet Miho zurzeit eine Anlage auf, damit die Bänder schneller laufen.

Von Stefan Wewetzer

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