Erinnerung an das frühere Lichtspieltheater in Kassel

Kinomuseum in Eschenstruth zeigt legendäre Kaskade-Wasserspiele im Film

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Vorführung: Im Cinema-Bereich des Musik-, Radio- und Kinomuseums zeigt Werner Baus (links) Besucherinnen einen Film über die Wasserspiele des Kasseler Lichtspieltheaters Kaskade.

Helsa. Mit einer sehenswerten Gedenk-Koje erinnert Werner Baus in seinem Museum in Helsa-Eschenstruth jetzt auch an das Premierenkino Kaskade, das einen nicht unwesentlichen Teil der Kasseler Cinema-Geschichte mitgeschrieben hat.

Eigentlich wollte der heute 70-jährige Kinoliebhaber und leidenschaftliche Musikgeräte- und Tonmöbelsammler das Lichtspieltheater mit den legendären Wasserspielen vor dem endgültigen Aus bewahren und es in irgendeiner Form wiedereröffnen. Alle Rettungsversuche blieben jedoch letztlich erfolglos. Das Kinogebäude am Kasseler Königsplatz wird jetzt für eine Nutzung als Textilkaufhaus umgebaut. An die glorreiche Kinozeit werden bald nur noch ein Teil der mit Blattgold veredelten Decke und Fragmente der Wasserorgel-Technik erinnern.

Auch Original-Sessel

Werner Baus ist froh, dass er in seinem Musik-, Radio- und Kinomuseum wenigstens einige Original-Sessel und Stühle, Bullaugen und Teile aus dem Vorführraum des prominenten Lichtspieltheaters zeigen kann. Eingerahmt wird die Kaskade-Ecke von original erhaltenem Wandstoff und Teppichboden.

Wer das kleine, aber feine Museum in Eschenstruth besucht, begibt sich zunächst auf eine spannende und höchst unterhaltsame Zeitreise durch 100 Jahre Technikgeschichte. „Alles funktioniert“, sagt Werner Baus, der eine Damengruppe früherer Arbeitskolleginnen aus Helsa und der Region durch die Ausstellung führt. Im Bereich der mechanischen Musikinstrumente stehen sehr gut erhaltene, spielfähige Spieluhren, elektrische Klaviere und auch mehrere Drehorgeln.

Er habe Dutzende dieser Instrumente erneuert, sagte der umtriebige Restaurator. Werner Baus war eigentlich als Versicherungskaufmann tätig und tanzte höchst erfolgreich Turniere, bis er nach dem Fund einer Spieluhr auf dem Dachboden seiner Großeltern von seiner großen Sammlerleidenschaft gepackt wurde.

Fotos: Musik-, Radio- und Kinomuseum

Impressionen vom Musik-, Radio- und Kinomuseum in Helsa-Eschenstruth

Jetzt setzt er seit mehr als drei Jahren in Helsa Akzente für den ländlichen Tourismus. „Ich möchte auch Wanderer und Schulklassen anlocken“, sagt der Museumsbetreiber. Mit seiner Kino-Abteilung verneigt sich Werner Baus vor der Stadt Kassel, die schon 1910 von dem neuen Medium mit den bewegten Bildern erfasst wurde. Kassel brachte es später auf 50 Lichtspieltheater und kam auch durch einen bundesweit agierenden Filmverleih zu überregionalem Ruhm in der Kino- und Filmszene.

Mehr zum Kaskade-Kino lesen Sie im Regio-Wiki.

Baus war schon als Schüler mittendrin: „Meine Mutter war Platzanweiserin im Ufa-Palast“, erzählte der begeisterte Kino-Liebhaber. In der zweiten Hälfte der 50er-Jahre habe er im Kino Karten abgerissen, die obligatorische Langnese-Eispause bestritten und mit dem Fahrrad Filmspulen vom Bahnhof abgeholt, sagte der Kasseläner voller Stolz.

Als Schmankerl zeigt Baus den Besucherinnen zum Abschluss einen historischen Schwarz-Weiß-Filmstreifen über die Wasserspiele der Kaskade.

Als Museumseintritt sind 5 Euro als Musikgerätebeitrag fällig.

Ein Video aus dem Archiv

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