Lehrer streiken auch an Schulen im Kreis

Wissbegierig: Die Schüler der Klassen 3 und 4 wünschten sich, die fünfte Stunde in der Bücherei der Ernst-Abbe-Schule zu verbringen. Fotos: Wienecke

Kreis Kassel. Dem Aufruf zum Streik sind am Dienstag auch Lehrer in Schulen im Altkreis Kassel gefolgt. Wir besuchten die Ernst-Abbe-Schule in Oberkaufungen.

Dort gehen 265 Grundschüler in 13 Klassen, sie werden von 20 Lehrern und Referendaren unterrichtet. Dem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW) zu einem Streik der verbeamteten Lehrkräfte folgten dort am Dienstag sechs Lehrerinnen. Drei von ihnen reisten nach Wiesbaden, die anderen drei suchten das Schulgebäude auf und legten ihre Arbeit nieder.

„Die verlässliche Schulzeit von vier beziehungsweise fünf Stunden ist von uns zu gewährleisten“, sagte Schulleiterin Gabriele Worlikar auf Nachfrage. Die Gewerkschaft habe im Vorfeld erfragt, wer sich am Streik beteiligen würde und der Schule eine Mitteilung gemacht. „Am Donnerstag ging ein Brief an die Eltern, in dem wir ihnen freigestellt haben, ihre Kinder abzumelden“, erläuterte die Schulleiterin. Viele Schüler und eine Klasse 4 wurden entschuldigt, 110 Schüler erschienen am Dienstag. „Wir haben die Klassen jahrgangsweise zusammengefasst und ihnen Angebote in der Sporthalle, der Aula, dem Computerraum, in der Bücherei und auf dem Schulhof gemacht“, berichtete Gabriele Worlikar. In der fünften Stunde wünschten sich Schüler der Klassen drei und vier, nochmals die Bücherei der Schule aufzusuchen und griffen dort gleich zu ihren Lieblingsbüchern. „Über den Streik der sechs verbeamteten Lehrerinnen muss das Schulamt informiert werden“, sagte die Schulleiterin. Ferner werde die Schule schriftliche Missbilligungen aussprechen.

Auch andere Schulen waren am Dienstag vom Lehrerstreik betroffen und mussten mit einem Notfahrplan arbeiten.

So beispielsweise die Ahnatalschule in Vellmar. Wie deren Leiter, Wolfgang Hartwig, sagte, beschränkte sich der Unterricht für alle Klassen auf fünf Schulstunden. Die jüngeren Jahrgänge durften die Gesamtschule um 12.30 Uhr verlassen, währen die älteren Schüler eine Stunde später mit dem Unterricht begannen, und für sie um 13.15 Uhr Schluss war. Arbeitsgemeinschaften, die am Nachmittag von Lehrkräften angeboten werden, entfielen komplett.

Von den 90 Lehrkräften an der Schule, so sagte Hartwig weiter, beteiligten sich knapp 20 an dem Streik. Die Eltern hatte die Schule bereits einen Tag zuvor über ihre Homepage von den Streikauswirkungen unterrichtet.

Regulärer Unterricht wurde hingegen an den beiden Grundschulen in Espenau und Niedervellmar angeboten. Schulleiterin Michaela Krumme aus Niedervellmar sagte, das Kollegium setzte sich ausschließlich aus verbeamteten Kollegen zusammen, die nicht streiken dürften.

An der Söhre-Schule in Lohfelden beteiligten sich 15 von 70 Lehrkräften an dem Streik. „Der Unterricht verläuft trotzdem fast normal“, sagte Schulleiter Arno Scheinost auf Anfrage der HNA, es würden Vertretungskräfte eingesetzt.

An der Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal fand am Dienstag der Unterricht ganz normal statt. „Bei uns streikt niemand“, sagte Schulleiterin Ana Viehmann, es gebe aber Diskussionen im Kollegium.

Die Baunataler Theodor-Heuss-Schule (THS) mit über 1000 Schülern war laut Schulleiter Walter Kayser ebenfalls vom Streik betroffen. „Wir haben den Jahrgang zehn mit Hausaufgaben nach Hause geschickt“, sagt Kayser auf Anfrage. Die Jahrgänge fünf bis neun hätten aber planmäßig Unterricht gehabt. Auch die zentralen Abschlussarbeiten seien ohne Beeinträchtigung über die Bühne gegangen.

Die benachbarte Erich-Kästner-Schule (EKS) war hingegen nicht von dem Ausstand betroffen. „An unserer Schule hat keiner gestreikt“, berichtet Schulleiter Dieter Ernst. (pbw/kil/hog/sok)

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