Helmut Klemme aus Niestetal wurde als Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien wiedergewählt

Vom Lehrjungen zum Fabrikanten

Helmut Klemme Foto: Habich

Niestetal. Helmut Klemme ist Bäcker aus ganzem Herzen, aber auch ein tüchtiger Geschäftsmann. „Es gibt kein gutes oder schlechtes Brot“, sagt der 65-jährige Niestetaler, denn „was Qualität ist, entscheidet der Verbraucher.“

Seit vier Jahren ist Klemme Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien, nun wurde er in seinem Amt bestätigt.

Urgroßvater baute Mühle

Das Handwerk wird in seiner Familie seit Generationen ausgeübt: Sein Urgroßvater hat die Klemmsche Mühle in Heiligenrode gebaut.

Als 13-Jähriger schleppte Helmut Klemme noch zentnerschwere Mehlsäcke, später betrieb er drei eigene Brotfabriken. Eigentlich ist er seit sechs Jahren im Ruhestand, aber er berät weiterhin andere Firmen aus der Backwarenbranche und fährt dafür quer durch Deutschland.

Im Keller in seinem Haus in Heiligenrode hat sich der Geschäftsmann ein Zimmer fürs Erinnern eingerichtet, an der Wand hängen Fotos von den drei Produktionsstätten der Fabrik Klemme AG und Erinnerungsstücke: Helmut Klemme, seit 1969 verheiratet, ist sein Leben lang viel gereist. 25 Jahre lang habe er „praktisch eine Wochenendbeziehung“ mit seiner Frau geführt. „Aber manchmal hat uns das vielleicht ganz gut getan“, sagt er und schmunzelt.

Klemme hat auf Wunsch seiner Eltern eine Müller- und eine Bäckerlehre absolviert. Weil sein Bruder eine Mehlallergie hatte, sollte er einmal die Magazinhof-Brotfabrik, den Familienbetrieb, übernehmen.

Doch in der Backstube stand Helmut Klemme nur selten. Er lernte zusätzlich Industriekaufmann und wurde Geschäftsführer, als sich die Fabrik des Vaters mit der Firma Kuchen-Weber zusammenschloss. Seine Aufgabe war es, andere Ketten zu übernehmen und unter dem Namen „Leckerbäcker“ deutschlandweit Filialen aufzubauen, eine andere Kette in Budapest und nach der Wiedervereinigung auch Filialen im Osten.

Klemme war immer vor Ort. Doch der frische Wind, den seine Firma in die Bäckerbranche bringen wollte, war in der ehemaligen DDR nicht allen willkommen, erinnert er sich. Dass einige bis heute der Ostschrippe nachtrauern, kann Klemme nicht nachvollziehen.

900 Mitarbeiter

Als die Firma Kuchen-Weber wegen finanziellen Problemen des Mutterkonzerns verkauft wurde, baute Helmut Klemme gemeinsam mit anderen Geschäftspartnern eine Tiefkühlbackwarenfirma auf.

Die Klemme AG hat heute 900 Mitarbeiter, Klemme selbst ist inzwischen wieder ausgestiegen.

Seine eigenen Frühstücksbrötchen kauft er immer noch gern in Niestetal.

Von Irene Habich

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