Insgesamt 7445 registrierte Delikte

Leichter Anstieg bei den Straftaten im Kreis Kassel - Aufklärungsquote gesteigert

Kreis Kassel. Im gesamten Landkreis Kassel sind die Fallzahlen bei Straftaten im Laufe des Jahres 2016 nur leicht angestiegen.

So sind bei insgesamt 7445 registrierten Delikten 169 mehr zur Anzeige gebracht worden als noch im Jahr 2015. Gleichzeitig wurde die Aufklärungsquote nochmals gesteigert und liegt kreisweit nun bei 57,8 Prozent – den bislang höchsten Wert seit über zehn Jahren.

In den sieben östlichen Altkreis-Kommunen (Helsa, Kaufungen, Fuldabrück, Niestetal, Lohfelden, Nieste und Söhrewald) sieht es ähnlich aus. Insgesamt wurden im Jahr 2016 dort 1739 Delikte gezählt, 39 mehr als noch im Jahr 2015. Jedoch hapert es hier bei der Aufklärungsquote. Waren im Jahr 2015 noch 58,6 Prozent aller Fälle zum Abschluss gebracht worden, waren es 2016 nur 50,9 Prozent, also mehr als sieben Prozent weniger. „Tatsächlich kann die Anzahl geklärter Fälle von Jahr zu Jahr stark variieren“, sagt Wilhelm Küllmer, Leiter der Dienststelle Kassel-Ost. „Jedoch liegen wir im Schnitt immer noch über der 50-Prozent-Marke, was ein guter Wert ist“.

Lohfelden

In Lohfelden haben die Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zugenommen. „Das liegt vor allem am Lohfeldener Rüssel“, sagt Küllmer. Buchungsbetrügereien an der Tankstelle, aufgeschlitze Lkw-Planen, Ladungs- und Baumaschinen-Klau – all das drückt die Statistik nach oben, ohne dass Lohfelden als Kommune direkt etwas damit zu tun hat.

Mehr als verdoppelt haben sich jedoch in Lohfelden selbst die Wohnungseinbrüche (2016: 29, 2015: 14). Zunahmen gibt es auch bei häuslicher Gewalt, Fahrerfluchten sowie bei Internet-Delikten. Rückläufig sind hingegen Kfz-Diebstähle (2015: 13, 2016: 4).

Die Aufklärungsquote mit Blick auf alle Fälle liegt bei 57,6 Prozent.

Niestetal

In Niestetal ist die Anzahl der Straftaten annähernd konstant geblieben. Zugenommen haben Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit (Freiheitsberaubung). „Dabei handelt es sich auch um heftige Familienkonflikte, wenn zum Beispiel nach einem Ehekrach das Kind weggenommen wird“, sagt Küllmer. Um 15,5 Prozent abgenommen haben die Ladendiebstähle (2016: 60 Fälle).

Die Aufklärungsquote in Niestetal liegt insgesamt bei 59,3 Prozent.

Kaufungen

In Kaufungen sind die Straftaten um fast zehn Prozent zurückgegangen. Eine deutliche Steigerung von 60,5 Prozent ergibt sich jedoch im Bereich Körperverletzung – dort vor allem mit Blick auf häusliche Gewalt und persönliche Freiheitsberaubung (2015: 38, 2016: 61).

Die Aufklärungsquote insgesamt liegt bei 56,4 Prozent.

Helsa

Helsa verzeichnet insgesamt einen Rückgang von Straftaten um 13,5 Prozent. Leichte Anstiege gibt es bei Fällen von Körperverletzung, bei Diebstählen sowie bei Autoaufbrüchen.

Die Aufklärungsquote liegt 2016 bei nur 41,8 Prozent. 

Fuldabrück

Fuldabrück weist mit 17,4 Prozent den stärksten Rückgang von Straftaten im östlichen Altkreis aus. Einzig im Bereich Körperverletzung gibt es einen Anstieg um sechs Fälle (2016: 20, 2015: 14).

Die Aufklärungsquote liegt insgesamt bei 55,1 Prozent.

Nieste

Die mit etwa 2000 Einwohnern kleinste Kommune Nordhessens verzeichnet einen Anstieg bei Straftaten um 42,3 Prozent. Das klingt viel, in absoluten Zahlen ausgedrückt handelt es sich aber nur um elf Fälle mehr – meist Fälle von Sachbeschädigung. Tatsächlich lässt sich in diesem Fall ein Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Straffälligkeit blegen.

Nieste weist im Jahr 2016 die niedrigste Aufklärungsquote von 37,8

Prozent aus. 

Söhrewald

In Söhrewald wurden 2016 31,7 Prozent mehr Straftaten verübt als noch 2015 – vor allem bei den schweren Diebstählen. So hatte es alleine in einer Nacht fünf Einbruchsversuche gegeben. Jeder Versuch wird gezählt.

Auch in Söhrewald liegt die Aufklärungsquote mit 48,2 Prozent deutlich unter dem Kreisdurchschnitt. 

Hintergrund

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 für Nordhessen mit Blick auf Kassel und den Landkreis liefert keine genaue Analyse zum Thema Zuwanderung und Straftaten. „Zwar ist die Zahl der Delikte, an denen Flüchtlinge beteiligt waren, insgesamt gestiegen. Jedoch sind gleichzeitig auch die Flüchtlinge mehr geworden, sodass sich unter dem Strich an der Fallquote nichts geändert hat“, interpretiert Wilhelm Küllmer, Leiter der Polizeidienststelle Kassel-Ost die vorliegenden Zahlen. Keineswegs würden Flüchtlinge häufiger Ladendiebstähle begehen oder Autos aufbrechen. „Das machen andere Leute“, sagt Küllmer.

Typisch für Zuwanderer seien eher Delikte wie Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, aber auch Körperverletzung. „Sehr häufig sind Fälle, bei denen es sich um falsche Papiere dreht – vom gefälschten Ausweis bis zur Aufenthaltsberechtigung. Das sind aber Straftaten, die Einheimische gar nicht erst begehen können“, sagt Küllmer. Allein schon deshalb sei ein Vergleich zwischen Flüchtlingen und Einheimischen schwierig. Küllmer: „Im Fazit ist das Leben im Kreis Kassel durch die Anwesenheit von Zuwanderern nicht unsicherer geworden“. Insgesamt spielten die von Flüchtlingen verübten Straftaten kaum eine Rolle, zumindest sei keine bedenkliche oder bedrohliche Entwicklung zu verzeichnen.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.