Hobbyhistorikerin Elisabeth Dönges aus Bergshausen feiert 90. Geburtstag

Profunde Kennerin: Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Elisabeth Dönges – hier mit einer ihrer Schriften – mit den Menschen und der Geschichte Bergshausens. Foto: Büntig

Fuldabrück. Die Erinnerung an den Bergshäuser Fährmann, dessen Ruf Elisabeth Dönges als Kind vom Schlafzimmerfenster aus hörte, sollte Jahrzehnte später Anstoß zu unzähligen Geschichts- und Ahnenforschungen werden. Nun ist Elisabeth Dönges 90 Jahre alt, am heutigen Donnerstag feiert sie Geburtstag.

Und immer noch beschäftigt sie sich intensiv mit ihrem Heimatort Bergshausen, den Menschen und deren Vergangenheit.

Zunächst lagen jedoch viele schwere und entbehrungsreiche Jahre vor ihr. Geprägt vom Kriegsgeschehen, schloss sich 1937 ihrem Schulabschluss eine hauswirtschaftliche Lehre und das Pflichtjahr an.

Ihren Mann Karl lernte sie 1939 kennen, es sollte die erste Kriegstrauung in der Gemeinde werden, am Tag darauf wurde er eingezogen. Bis zum Kriegsende durfte er nur kurze Aufenthalte zu Hause verbringen, für die Söhne Karl-Heinz (geboren 1940) und Jürgen (geboren 1942) sorgte Elisabeth zunächst allein.

„Mein Leben war voller Entbehrungen und Schicksalsschläge, aber ich war immer zufrieden“, erinnert sie sich.

Um der Einsamkeit nach dem Tod ihres Mannes 1985 und der drohenden Isolation durch ihre Schwerhörigkeit zu entkommen, suchte sie Zerstreuung in ihren Hobbys. So bastelte sie kleine Kunstwerke und stellte den Erlös für wohltätige Zwecke zur Verfügung. An erster Stelle stand das Fotografieren von Landschaften und Tieren – immer mit Kamera und Notizblock ausgestattet, war sie im Ort unterwegs und bestens bekannt.

Die Bergshäuser Fähre war das erste Thema, mit dem sich Elisabeth Dönges intensiv geschichtlich auseinandersetzte. Recherchieren wurde zu ihrer Leidenschaft, aus einer Frage ergaben sich unzählige neue Ansätze, denen sie nachging.

Texte, Fotos und Kopien

Dass sich Elisabeth Dönges immer für Bergshausen interessiert hat, zeigt sich in zahlreichen gebundenen Mappen handschriftlicher Texte, Fotografien und Kopien zu den unterschiedlichsten Themen. Als langjähriger Vertrauter stand ihr Karl-Heinz Sturm beratend zur Seite.

Inzwischen wird ihre Arbeit nicht nur von den betroffenen Bergshäusern, sondern auch von der Gemeinde – in deren Archiv sich die Schriften befinden – und den Vereinen anerkannt. Sehr gerne hätte sie ein Heimatmuseum ausgestattet, dessen Realisierung zu ihrem großen Bedauern jedoch scheiterte.

Rolf Mell, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins spricht für viele Menschen, wenn er sagt: „Wir schätzen das Lebenswerk von Frau Dönges sehr und nutzen es häufig als Informationsquelle.“ In den Festschriften vieler Vereine sind ihre Recherchen längst fester Bestandteil der historischen Rückblicke.

Heute feiert Elisabeth Dönges ihren runden Geburtstag im Kreis der Familie. Doch dann wird sie wohl wieder – trotz ihrer öfter geäußerten Ankündigung: „Das ist jetzt das letzte Mal“ – jeder Frage nachgehen, die an sie herangetragen wird. (pbü) HINTERGRUND

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.