Ingelheimer Organist verzauberte Zuhörer bei seinem Konzert in Obervellmarer Kirche

Lenz ließ Orgelpfeifen tanzen

Orgelmelodien aus sechs Jahrhunderten: Organist Carsten Lenz bediente virtuos die 1042 Pfeifen der Obervellmarer Orgel und begeisterte damit die über 100 Konzertbesucher. Foto: Brandau

Vellmar. Ein Orgelkonzert der besonderen Art versprach Brigitte Engelhardt bei der Begrüßung der über 100 Besucher in der Obervellmarer Kirche. Und tatsächlich bot der studierte Kirchenmusiker Carsten Lenz aus Ingelheim am Rhein den Besuchern seines Konzertes unter dem Motto „Die Orgel tanzt“ einen musikalischen Leckerbissen.

Die Eröffnung gestaltete der 41-Jährige mit einem venezianischen Marsch aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und entlockte dabei der Orgel, die 1773 von Stephan Heeren aus Gottsbühren eingebaut wurde, ungewöhnliche Klänge.

Hoppeldantz bei Hofe

Es folgten Melodien wie der Hoppeldantz, ein Hochzeitstanz, wie er Mitte des 16. Jahrhunderts bei Hofe üblich war. Damals wurde, wenn kein Orchester zur Verfügung stand, auch nach den Klängen einer Orgel getanzt. Gemäß dem Motto des Konzertes ließ der Künstler die 1042 Pfeifen der Obervellmarer Orgel tanzen.

Passend zur 238 Jahre alten Orgel, die kürzlich erst gereinigt und gestimmt wurde, intonierte Lenz dann auch Stücke von Franz Anton Maichelbeck aus dem 18. Jahrhundert. Und wer seine Augen schloss, konnte sich sehr gut vorstellen, wie die Herrschaften bei Hofe in ihren barocken Kostümen herumliefen und sich amüsierten. Immer wieder erklärte der Musiker, der bei manchen Konzerten auch gemeinsam mit Ehefrau Iris, ebenfalls Organistin, vierhändig spielt, die Hintergründe der Stücke und die Geschichte des Orgelbaus. Bereits um 800 nach Christi habe es Orgeln in Kirchen gegeben, erklärte der Dekanatkirchenmusiker aus Ingelheim.

Doch nicht nur klassische Stücke begeisterten die interessierten Zuhörer, sondern auch Stücke aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Darunter Märsche, Walzer-, und Polkamusik. Beeindruckend dabei die scheinbare Leichtigkeit des Orgelspielens, die geprägt war von absolutem Können und Virtuosität des Vollblutmusikers.

So waren sich am Ende des Konzertes die Besucher nicht nur darüber einig, dass die Orgel tanzte, sondern auch eine Klangvielfalt erlebt zu haben, die es bisher in dem rund 600 Jahre alten Obervellmarer Gotteshaus noch nicht zu hören gab. So ging ein gut einstündiges, eindrucksvolles Orgelkonzert mit Swing, Jazz und Sambamelodien zu Ende, für das sich die restlos begeisterten Zuhörer mit frenetischem Applaus bedankten.

Von Werner Brandau

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