Coaching GmbH wird wieder in die Mutterfirma integriert

VW will Weiterbildung im Konzern ausbauen

Ausbildung bei VW in Baunatal: Chef Dr. Stefan Kreher spricht mit Jessica Seitz (21) aus Gudensberg, die im dritten Lehrjahr Zerspanungsmechanikerin lernt, über ein Endmaß zum Überprüfen gefräster Nuten. Noch heißt der Bereich Coaching GmbH, wie im Hintergrund zu lesen ist. Anfang 2013 wird daraus die Volkswagen Akademie Kassel. Foto: Jünemann

Baunatal. Heute beginnen 235 junge Menschen ihre Ausbildung bei VW in Baunatal. Sie werden während der nächsten Monate noch von der Coaching GmbH, dem Ausbildungsbetrieb von Volkswagen, betreut.

Doch das ändert sich am 1. Januar 2013. Denn die Gesellschaft wird wie die AutoUni Wolfsburg zurückkehren in den Schoß des Konzerns. Zur neuen Volkswagen Group Academy, die weltweit die Bildungsbereiche aller Marken von VW bündelt, gehört dann auch die Akademie Kassel am Standort Baunatal.

Die Berufsausbildung von insgesamt 700 Lehrlingen und Studenten wird so laufen wie bisher. Auch die Projekte mit Dritten wie Jobcenter oder Arbeitsagentur werden fortdauern – von Einbrüchen wegen ausbleibender Zuschüsse abgesehen. Anders sieht es in der Weiterbildung aus: Da stehen Änderungen an.

VW will hier viel bedarfsorientierter arbeiten, wie Dr. Stefan Kreher, Leiter der Baunataler Coaching, erläutert. Das heißt: Ausbildungsexperten und Praktiker aus den Abteilungen werden zusammen ermitteln, welcher Bedarf an Qualifizierung besteht, damit genau dafür Weiterbildung organisiert wird. Künftig soll dieser Prozess bereits beim Kauf von Maschinen einsetzen, um der technischen Entwicklung standzuhalten.

Bisher gibt es einen Standardkatalog mit Seminaren, der aber nicht immer das offeriert, was Praktiker benötigen. Künftig wird dann genau die Qualifizierung in Schweißtechnik angeboten, die Mitarbeitern des Getriebebaus fehlt. Dazu hat VW sogenannte Berufsfamilien gebildet. Eine ist der Getriebebereich, andere sind Gießerei, Presswerk, Finanzen oder Personal. Letzliches Ziel: weltweit gleiche Kompetenz- und Qualitätsstandards bei Volkswagen.

Partnerschaft mit Indien

„Wir wollen hohe deutsche Standards in die VW-Welt exportieren“, sagt Kreher. Der Baunataler Bildungssektor etwa schickt Ausbilder in das Werk im indischen Pune, und vom Standort Mlada Boleslav in Tschechien kommt demnächst eine Mitarbeiterin, die in Nordhessen Weiterbildungsprozesse kennenlernen soll. Eine Einbahnstraße soll der Austausch indes nicht sein, die deutschen Beschäftigten sollen auch von Kollegen in anderen Ländern lernen.

Hinter den Kulissen wird also umstrukturiert. Jedoch nicht beim Personal, so betont Kreher: „Für die Mitarbeiter ändert sich gar nichts.“ 73 sind in dem Bereich fest angestellt – plus Honorarkräfte.

Natürlich soll die Rückführung der Coaching auch Synergieeffekte bringen. Ab 2013 muss der Bildungssektor nicht mehr Rechnungen ans Werk richten, die für eine GmbH nötigen Wirtschaftsprüfer entfallen, Doppelungen auch. Hier sinkt der Verwaltungsaufwand. Neue Aufgabe wird andererseits ein Weiterbildungscontrolling sein. VW will für jeden Mitarbeiter niederlegen, welche Qualifikationen er erworben hat. Das gibt es bisher nicht. HINTERGRUND, STICHWORT

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