Kardamom: Der dritte Roman von Jochen Bauer führt bis nach Indien

Ein Lesestoff mit Würze

Druckfrische Exemplare: Jochen Bauer, Gut Escheberg, hat mit „Kardamom“ seinen dritten Roman herausgebracht. Foto: Binienda-Beer/nh

Zierenberg / Espenau. Druckfrische Buchexemplare lagern in der Wohnung, einige Bekannte vertiefen sich bereits in den Stoff: Autor Jochen Bauer, der vor einem Jahr von Espenau nach Gut Escheberg umsiedelte, legt seinen dritten Roman vor. „Kardamom“ spielt zu einem Großteil in Südindien, aber auch auf Sylt, in Leipzig, München - und Kassel.

Vier Jahre liegt Bauers dreiwöchiger Indien-Aufenthalt mit einer ökumenischen Pilgergruppe zurück. Die Erlebnisse und Eindrücke in Verbindung mit dem indischen Kastenwesen, die Schicksalsergebenheit der sogenannten Unberührbaren, haben ihn seitdem nicht mehr losgelassen.

Die feinen Antennen für soziale Fragen scheinen auch aus dem Beruf zu resultieren: Der frühere Lehrer und Rektor an der Vellmarer Gesamtschule unterrichtete neben Englisch in den Fächern Gesellschaftslehre und Religion. Mit dem Schreiben von Prosatexten, ursprünglich nur Kurzgeschichten, begann der heute 67-Jährige lange vor Eintritt in den Ruhestand. Auf seinen Erstlingsroman „Hexenschüsse“ (2005) folgte 2008 „Segenmehlkuss“ und nun „Kardamom“.

Rückblick auf die Indien-Reise: Die Gruppe war per Bus unterwegs, die Klimaanlage verweigerte ihren Dienst, von den Hitzequalen lenkte Bauer sich mit Ausflügen in die Fantasie ab. „Der Plot für einen Roman nahm gedanklich seinen Lauf“, erzählt er heute. In der Abgeschiedenheit von Escheberg hat der Autor sein neues Buch vollendet. Im Mittelpunkt steht ein deutscher Mittvierziger, ehemals Lehrer, mit der ausgeprägten Begabung, immer bei den falschen Frauen zu landen, in Deutschland wie in Indien. Jenen Max lässt Bauer eintauchen in das Leben in einem indischen Ashram mit zweifelhaftem Guru-Kult.

Ironische Untertöne

Der Roman thematisiert aber auch mit den für Bauer typischen ironischen Untertönen die Kontroverse zwischen Schul- und Naturmedizin. Vor allem aber setzt er sich auseinander mit der, aus europäischer Sicht, Unergründbarkeit des indischen Kastensystems.

„Kardamom“, eigentlich ein indisches Gewürz, trägt auf dem Buchcover einen doppeldeutigen Untertitel: CarDaMom, Abkürzung für eine fiktive Kinderhandelsorganisation mit dem Namen Care for Dalit Moms. Hier serviert Bauer seinen Lesern sozialen Sprengstoff aus der Welt des fernen Subkontinents in zugespitzter Form: Junge Mütter aus der Gruppe der Unberührbaren, den Dalits, suchen nach Vergewaltigung durch Männer höherer Kasten Hilfe im Ashram und verlieren nach der Entbindung dort ihre Babys, die längst für den Verkauf nach Europa bestimmt sind. (nh)

Jochen Bauer „Kardamom“: Books on Demand, ISBN 978-3-8391-8782-1, 252 Seiten, 14,90 Euro, auf Bestellung erhältlich in jeder Buchhandlung, signierte Exemplare können per E-Mail bestellt werden unter JochenBauer43@gmx.de

Von Dorina Binienda-Beer

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