Reparierte Lok dampfte zu Ostern wieder nach Naumburg

Dampfend und schnaufend durch die Landschaft: Die HC 206 ist 70 Jahre alt und wurde schon mehrfach restauriert. Am Ostersonntag nahm die alte Dampflok des Hessencourrier wieder Fahrt auf. Foto: Privat/nh

Baunatal/Schauenburg. Nun schnauft das Stahlross wieder durchs Wolfhager Land und das Bauna-Tal. Der Kasseler Verein Hessencourrier nahm die 1941 gebaute Dampflok nach erfolgreicher Generaluntersuchung wieder in Betrieb.

Vielen Anwohnern ist der Ton der Pfeife seit langem vertraut, ist die „HC 206“ doch schließlich die letzte Original-Dampflok der ehemaligen Kleinbahn zwischen Kassel und Naumburg (KN).

Im Januar 1941 war die bei Krauss-Maffei in München gebaute Maschine mit der Fabriknummer 15721 an die Kleinbahn Kassel-Naumburg ausgeliefert worden und nach einer Probefahrt von Wilhelmshöhe nach Altenbauna als Nr. 6 in den Betriebsdienst gestellt worden. Die Lok hat 750 PS und wurde speziell für die steigungsreiche Strecke zwischen Kassel und Naumburg konstruiert. Sie ist die letzte von sechs nahezu baugleichen Maschinen, die in den Jahren von 1925 bis 1941 geliefert wurden.

Heiße Angelegenheit: Heizer Wolfgang Rausch versorgt den Hessencourrier mit rund drei Tonnen Kohle, Frederik von Stark schaut ihm dabei über die Schulter. Archivfoto: Hoffmann/nh

Während des Planbetriebes bei der Kleinbahn war die 64 Tonnen schwere Lok ausschließlich auf ihrer Heimatstrecke unterwegs, dort wurde sie bis 1970 eingesetzt. Als Denkmal neben dem Naumburger Bahnhofsgebäude entkam sie dem Schneidbrenner.

1983 wurde die Maschine wieder auf die Gleise gesetzt und in der vereinseigenen Werkstatt im Bahnhof Wilhelmshöhe-Süd aufwändig saniert. Der Höhepunkt war die erste Fahrt mit der frisch abgenommenen Lok 1985. Bei einer Sonderfahrt im November 2000 fiel der linke Zylinder aus. Der Schaden: 100 000 D-Mark. Über Spenden wurde der neue Zylinder finanziert. Ab Mai 2001 war die Lok wieder zuverlässig auf ihrer Stammstrecke unterwegs. Sonderfahrten brachten die Nordhessin auch ins Kasseler Umland, Fahrten nach Korbach, Hann. Münden und nach Warburg standen auf dem Fahrplan. Die weiteste Strecke legte die Lok 2004 nach Eisenach zum dortigen Bahnhofsfest zurück.

Frischer Anstrich

In den Folgejahren standen immer wieder Reparaturen an. In Meiningen wurden die Radreifen neu profiliert. 100 kupferne Stehbolzen wurden ausgetauscht, auch der Aschekasten wurde erneuert. In den Kessel wurde zudem ein neuer Rohrsatz eingebaut. Im November 2011 wurde die Lok wieder eingeachst. Das Stahlross bekam einen Anstrich.

Die nächste Fahrt des Hessencourrier findet am 13. Mai (Muttertag) anlässlich des Bahnhofsfestes in Naumburg statt. Hinfahrt von Kassel nach Naumburg von 12.10 bis 13.45 Uhr, Rückfahrt von 16 bis 17.30 Uhr. Alle Mütter erhalten eine kleine Überraschung im Zug. (ant)

Fahrkarten: NVV-Kundenzentrum, Haltestelle Stadtmitte, Baunatal, und First Reisebüro, Treppenstraße 9, Kassel, sowie per E-Mail an info@hessencourrier.de und im Internet. www.hessencourrier.de

Hintergrund 

Die Osterfahrt war zugleich der Auftakt des Geburtstagsjahrs des Kasseler Vereins. Im Jahr 1972, vor 40 Jahren, fuhr der erste Sonderzug unter dem Namen „Hessencourrier“ von Kassel nach Gudensberg. Seitdem hat der hauptsächlich aus hessischen Nebenbahnwagen bestehende Zug fast alle Strecken in Nordhessen befahren, bevor die Strecke nach Naumburg zur regelmäßigen Heimatstrecke wurde. Der Unterhalt dieser landschaftlich einmaligen, 33,4 Kilometer langen Strecke ist mittlerweile selbst ein Teil der Vereinstätigkeit. Mit der Inbetriebnahme der Lok ist der Verein wieder in der Lage, einen deutschlandweit vielleicht einmaligen Museumsbahnverkehr zu zeigen: die Originallok 206 zusammen mit 100 Jahre alten originalen Wagen der Kleinbahn auf der originalen Strecke von Kassel nach Naumburg. Stationen im Bauna-Tal sind Altenbauna, Großenritte, Elgershausen und Hoof. (ant/ing)

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