Nach Querelen: Stadtverordnete Karin Wagner nicht mehr auf Kandidatenliste der Vellmarer Freidemokraten

Liberale wählen den Neuanfang

Vellmar. Den personellen Neuanfang wagen die Vellmarer Freidemokraten im Zuge der Kommunalwahl im März 2011. Der Vorstand um den Vorsitzenden Lasse Becker setzte bei der Aufstellung der Kandidatenliste auf Verjüngung.

Dieser Entscheidung fielen zwei bekannte Gesichter zum Opfer: Karin Wagner, mit einer Unterbrechung seit 1992 im Vellmarer Parlament, und der parteilose Volker Fach, bekannt vor allem wegen des - am Ende gescheiterten - Bürgerbegehrens gegen den Bau der Straßenbahn. Sie finden sich nicht auf der Liste.

„Wir sind überzeugt, dies ist der sauberste Schritt“, begründete der Vellmarer Ortsvereinsvorsitzende Lasse Becker diese Entscheidung, die allen sehr schwergefallen sei. Aber: Es habe immer „sehr, sehr starke Reibungen“ zwischen Wagner und Fach gegeben. Beide seien zwar bekannte Köpfe in der Öffentlichkeit. Aber wenn von Fehlern der FDP in der Vergangenheit die Rede gewesen sei, seien oft gerade diese beiden Namen gefallen. Dazu sei gekommen, dass „die Vellmarer FDP verstärkt unabhängig von der SPD wahrgenommen werden soll“. Die heute 71-Jährige hatte in der Stadtverordnetenversammlung in der Tat oft mit den Genossen gestimmt. Trotzdem habe man Karin Wagner in der Vergangenheit „nie in ihre Entscheidungen hereingeredet“.

Das mit dem „Nie-Hereinreden“ sieht Wagner etwas anders. Sie erinnert sich, dass FDP-Kreisvorsitzender Björn Sänger sie in der Vergangenheit massiv gedrängt habe, ihr Mandat in der Vellmarer Stadtverordnetenversammlung niederzulegen und ihr sozusagen zur Ermunterung in einem Brief gleich ein SPD-Beitrittsformular mitgeschickt habe.

Darüber hinaus sei sie in Wiesbaden als FDP-Parteimitglied abgemeldet worden. Später habe sie einen neuen Mitgliedsausweis erhalten mit der Bemerkung, die Abmeldung sei ein Versehen gewesen.

Ein Stück Enttäuschung

Wagner sagte nach Aufstellung der Liste gegenüber unserer Zeitung: „Das war’s jetzt für mich.“ Sie schäume zwar nicht vor Wut über ihre Ausbootung, aber ein „Stück Enttäuschung“ sei schon im Spiel. Denn gerade im Hinblick auf den Hessentag kämen auf Vellmar viele spannende Themen zu. Björn Sänger wollte Wagners Vorwürfe nicht kommentieren. Die Vergangenheit sei „uninteressant, wichtig ist, dass in Vellmar eine Liste aufgestellt wurde“.

Der FDP-Ortsverband Vellmar habe für den eingeschlagenen Kurs des personellen Neuanfangs jedenfalls „die persönliche Unterstützung des Kreisvorsitzenden“. Archivfotos: Brandau/Koch

Von Stefan Wewetzer

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