Erika und Rudolf Exner feiern heute ihre Eiserne Hochzeit im Seniorenzentrum Helsa

Liebe kam auf Rennbahn

Eisernes Hochzeitspaar: Erika und Rudolf Exner. Foto: Oschmann

HELSA. „Als wir am 3. Juni 1950 geheiratet haben, waren wir allein“, erzählen Erika und Rudolf Exner, „heute, nach unseren 65 Ehejahren, feiern wir auch die Eiserne Hochzeit allein.“ Aber das scheint dem kinderlosen Paar – sie ist 90, er ein Jahr älter – nichts auszumachen, beide wirken zufrieden mit sich und dem langen Eheleben.

Als sie sich 1940 in ihrer Heimat Brieg bei Breslau kennenlernten, ahnten sie nicht, dass sie eine wahre Odyssee erleben und sich erst nach zehn Jahren wiedersehen würden.

Auf der Rennbahn sind wir uns begegnet, erzählen die beiden lachend, unsere kleine Flaniermeile „zum Sehen und Gesehenwerden“. Der junge Eisenkaufmann und die Friseurin mochten sich gleich. Am Sonntagmorgen kam er mit einem Blumenstrauß zu Erika und ihrer Familie. Man kam sich näher, aber dann kam der Krieg dazwischen.

An seinem 18. Geburtstag musste Rudolf Exner nach Russland in den Krieg. Und damit verloren sich er und Erika in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegsjahre aus den Augen. 1948 traf der junge Mann auf dem Bahnhof in Hannover einen Bekannten aus Brieg, der ihm eine Zeitung aus der Heimat überließ, die „Brieger Briefe“. Und er traute seinen Augen kaum. „Da entdeckte ich die Todesanzeige von Erikas Mutter und sah, dass Erika in Cunnersdorf lebte“, erzählt der Senior. „Ich fuhr sofort hin“, sagt er. Jetzt endlich trafen sich die beiden jungen Leute wieder.

„Ja“, sagt Erika Exner schmunzelnd, aber auch ein wenig gerührt: „Rudolf hat nicht von mir gelassen.“ Er hatte inzwischen Arbeit bei einer Firma an der Hafenstraße und ein Zimmer in Sandershausen gefunden. „Am 1. Juni 1950 kam Erika, am 3.Juni heirateten wir in Sandershausen“, erzählt der Ehemann.

Ab 1955 arbeitete Rudolf Exner bis zur Rente bei den Städtischen Werken, zunächst als Ableser, später in der Buchhaltung. Seine Frau liebte ihren Beruf als Friseurin, in dem sie immer tätig war. Die Hausarbeit wurde immer geteilt.

Der allererste Urlaub nach fünf Jahren ging nach Mittenwald, „weißt du noch“, sagen sie fast gleichzeitig und müssen lachen. „Dann waren wir 33 Mal in Bad Füssing“, erzählen sie, „das war für uns immer die beste Erholung.“ Aber auch die Schweiz und Österreich waren beliebte Reiseziele. Die Wandergruppe war ein weiteres Hobby.

Bis 2006 lebten die Exners in Sandershausen, dann zogen sie um nach Niederkaufungen.

Seit eineinhalb Jahren wohnen sie jetzt im Senioren- und Therapiezentrum Helsa, wo sie recht aktiv sind. Nachgeben, sich zusammenraufen und vor allem zusammenhalten, so beschreiben sie ihr Ehe-Motto.

Von Sabine Oschmann

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