Aus Sandershausen und Heiligenrode entstand vor 40 Jahren die Gemeinde Niestetal

Gemeinde Niestetal besteht seit 40 Jahren

SMA-Gelände auf dem Sandershäuser Berg

Niestetal. Das war knapp: Um ein Haar wären die 5208 Sandershäuser bei der großen Gebietsreform 1972 der Großstadt Kassel zugeschlagen worden.

So wollte es damals zumindest der hessische Innenminister, dem bei einem Erfolg der Kasseler Kämmerer vermutlich bis heute goldene Kränze winden würde. Denn die vielen SMA-Gewerbesteuer-Millionen wären dann komplett ins Kasseler Stadtsäckel geflossen. Und Heiligenrode mit seinen damals gerade einmal 4258 Einwohnern wäre selbstständig geblieben.

Allein, es kam anders. Weil Sandershausen partout nicht zum 24. Stadtteil der Großstadt werden wollte und dabei auch den Landkreis und den Hessischen Gemeindetag an seiner Seite hatte, akzeptierte es den Zusammenschluss mit Heiligenrode, obwohl sich beide Nachbarn in herzlicher Abneigung gegenüberstanden. Der Weg war frei für Niestetal! Und weil das jetzt genau 40 Jahre her ist, wird gefeiert.

Dazu haben die heute 10 590 Niestetaler auch allen Grund: Auch wenn der Übergang zur Großstadt sehr fließend und im Straßenbild teilweise kaum auszumachen ist, haben sie sich ihre dörflichen Strukturen erhalten, sich auch menschlich leidlich zusammengerauft.

In vier Jahrzehnten hat sich die Gemeinde am Ostrand Kassels dank einer sehr vielfältigen Gewerbe- und Industrielandschaft und natürlich dank SMA eine beachtliche Infrastruktur geschaffen. Die Entwicklung ist atemberaubend und sorgt in der ganzen Region für manchmal nur mühsam kaschierte Neidattacken: 1972 brachten es Sandershausen und Heiligenrode gemeinsam auf Steuereinnahmen von umgerechnet 2,5 Millionen Euro. Im Rekordjahr 2010 waren es 43 Millionen Euro. Damit lässt sich schon was anfangen: Moderne Kindergärten und Sozialstation, ein nagelneues großes Rathaus, Mehrzweckhalle, Schwimmbäder und ein kostenloser Linienbusverkehr zwischen den Ortsteilen und eine hervorragend ausgerüstete Feuerwehr.

Vielleicht ist es auch dem lückenlosen Angebot von Sportstätten zu verdanken, dass Niestetal mit nur vier Prozent die wenigsten übergewichtigen Schulkinder in Stadt und Kreis Kassel hat.

Viele Menschen wollen in der Boom-Gemeinde leben. Doch da ziehen Parlament und der junge Bürgermeister Andreas Siebert (43) behutsam die Zügel an: Das neue Baugebiet Am Eichberg in Heiligenrode soll das letzte bleiben, viel mehr als 11 000 Niestetaler sollen es nicht werden.

Und auch die vielen Steuer-Millionen sollen lieber erst mal auf die hohe Kante als in Prestigeprojekte fließen. Ob das neue, zehn Millionen teure Freibad unter der Autobahnbrücke tatsächlich gebaut wird, ist noch nicht ausgemacht. Schließlich weiß keiner, wie lange noch die Subventions-Sonne über der Solarbranche scheint und die Steuerquelle am Sprudeln hält.

Von Thomas Stier

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