Arbeiter stießen vor 44 Jahren auf Skelett einer Frau

Stiftskirche Kaufungen: Liegt hier die heilige Kunigunde?

+
Hier wurden die Gebeine abgelegt: Wolfgang Stöpel steht vor dem Altar der Kaufunger Stiftskirche. An dieser Stelle wurden vor 44 Jahren etwa 100 bis 150 Zentimeter tiefer in einer Mulde neben einem Eichenstamm die Gebeine einer jungen Frau abgelegt. Sie waren bei Ausschachtungen im Boden der mittelalterlichen Kirche gefunden worden. 

Kaufungen. Ruht Kaiserin Kunigunde (980-1033) nicht im Bamberger Dom, sondern in der Kaufunger Stiftskirche? Namhafte Wissenschaftler zweifeln seit Jahren an der Theorie, dass die Ehefrau von Kaiser Heinrich II., die zuletzt als einfache Nonne im Kaufunger Kloster lebte, hundert Jahre nach ihrem Tod tatsächlich in die oberfränkische Stadt überführt wurde.

Es gebe dafür keine ausreichenden Belege, sagen Experten. Jetzt hat sich mit dem Kaufunger Wolfgang Stöpel (61) ein Zeitzeuge zu Wort gemeldet. Die Ereignisse, die er schildert, liegen 44 Jahre zurück. Die Schilderung der Ausschachtungsarbeiten in der Stiftskirche könnten der Forderung nach einer gründlichen bauhistorischen Untersuchung Auftrieb geben.

Wolfgang Stöpel berichtet, dass er im Winter 1969/70 mit seinem Vater Willi im Auftrag des Stiftsgutbesitzers Erdarbeiten in der Stiftskirche ausgeführt habe. Damals habe man den alten Holzbohlenbelag komplett geöffnet, um eine Fußbodenheizung einzubauen. Der Kircheneingang sei breiter gemacht worden, damit der Traktor mit dem Frontladegerät durchfahren konnte, erinnert sich der Maschinist und Kraftfahrer.

Lexikon-Wissen

Mehr über Kaiserin Kunigunde im Regiowiki

Was Stöpel dann sagt, lässt aufhorchen: „Wo jetzt, unweit vom Eingang, das Taufbecken steht, stießen wir auf einen hellen Holzsarg mit dem Skelett einer Frau.“ Der Holzsarg sei bei den Arbeiten auseinandergebrochen. Die Knochen habe man anschließend vor der jetzigen ersten Bankreihe am Altar in einer Mulde sorgsam abgelegt, berichtet Wolfgang Stöpel. „Es musste damals alles sehr schnell gehen, die Fußbodenheizung sollte zügig eingebaut werden“, sagt der Zeitzeuge.

Der Fundort: Das gemalte Wandbild am ersten Nordpfeiler der Stiftskirche zeigt Kaiser Heinrich II. Nur wenige Meter entfernt (wo jetzt der Taufstein steht) entdeckten Wolfgang und sein Vater Willi Stöpel den Holzsarg mit dem Skelett der jungen Frau.

Laut Stöpel wurden die Sanierungsarbeiten in bestimmten Abständen von einem Denkmalfachmann und dem Pfarrer Ludwig Weimann begleitet. Bei dem gefundenen Skelett soll es sich – das hätten Gebissuntersuchungen ergeben – um die Gebeine einer jüngeren Frau gehandelt haben, sagt Wolfgang Stöpel. Natürlich drängt sich jetzt die Frage auf, wie bedeutsam der Fund von Willi und Wolfgang Stöpel vor 44 Jahren gewesen ist.

Laut Dr. Klaus Sippel, Bezirksarchäologe beim Landesamt für Denkmalspflege, hat es Bestattungen hochgestellter Persönlichkeiten in der Stiftskirche gegeben. Die Annahme, Kaiserin Kunigunde liege möglicherweise in Kaufungen, habe etwas für sich, sagte der Archäologe unlängst.

In Kaufungen trauen ohnehin viele der Geschichte nicht, dass Kunigunde in Bamberg liegen soll. Eine Überführung sei schon wegen der damals sehr viel schwierigeren Reisewege fast unmöglich gewesen, sagt ein Geschichtskenner unserem Mitarbeiter in der Stiftskirche.

Wolfgang Stöpel ist bereit, den Experten bei eventuellen Ausschachtungen mit seinem Wissen über die Vorgänge von 1969/70 behilflich zu sein. Das sei er seiner Heimatgemeinde und der Stiftskirche schuldig, sagte der Kaufunger.

Mehr Hintergrundinformationen gibt es in der gedruckten Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.