Ursula Meitzel war 1946 Straßenbahnschaffnerin – Das Kleingeld gab es aus dem Wechsler

Mit der Linie 3 gerne unterwegs

Erinnerungen: Ein wenig wehmütig denkt Ursula Meitzel aus Niedervellmar an die Zeit zurück, als sie noch gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann auf der Linie 3 durch Kassel fuhr. Fotos: Brandau

Vellmar. Interessiert verfolgt Ursula Meitzel in der Tageszeitung den Bau der neuen Straßenbahnverbindung in ihrer Heimatstadt Vellmar und am liebsten wäre die 85-Jährige bei der Jungfernfahrt am 22. Oktober mit dabei, wenn zum ersten Mal Fahrgäste auf der neuen Strecke befördert werden.

Schließlich war sie gemeinsam mit ihrem Ehemann viele Jahre bei der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft auf der Linie 3 unterwegs und schwärmt noch heute von der Straßenbahn.

Museumsstück: Der Wechsler, aus dem das Kleingeld kam, begleitete die ehemalige KVG-Schaffnerin über viele Berufsjahre und noch heute hält die 85-Jährige das museale Erinnerungsstück mit echten D-Mark-Münzen in Ehren.

Wenn die Vellmarer Seniorin die alten Fotos in die Hand nimmt, kommen die Erinnerungen wieder. „Diese Bahn hat mein Mann gefahren“, erklärt sie ein wenig wehmütig. Ihren Georg habe sie 1946 auf der Linie 3 kennen gelernt. Er sei als Straßenbahnfahrer und sie als Schaffnerin tätig gewesen. „Damals bin ich noch durch den Wagen gegangen und habe persönlich das Fahrgeld kassiert“, beschreibt Ursula Meitzel ihre Tätigkeit. Wer das Geld für die Fahrkarte nicht einzeln hatte, der bekam Münzen aus dem Wechsler zurück, den die Schaffnerin an einem Lederriemen hängend, stets bei sich trug.

Neben alten Fotos und dem Wechsler mit D-Mark-Münzen seien ihr nur noch die Erinnerungen an die Zeit geblieben, als sie noch der großen Familie der Straßenbahner angehörte. Man habe viele gemeinsame Fahrten unternommen, an der die ganze Familie teilgenommen habe. Busse und Fahrer stellte die Kasseler Omnibus-Gesellschaft (KOG), der Busbetrieb innerhalb der KVG.

Zu Fuß ins Betriebswerk

„Eine Straßenbahnverbindung nach Vellmar habe ich mir schon vor 60 Jahren gewünscht, aber niemals geglaubt, dass das einmal Wirklichkeit wird“, erklärt die Seniorin. Zu Fuß musste sie damals von Niedervellmar bis ins Kasseler Betriebswerk laufen, um dort ihren Dienst anzutreten. „Die Wagen waren immer voll und es gab sehr viele Kriegsversehrte“, erinnert sich Ursula Meitzel.

Bis zur Oberschaffnerin hatte sie es gebracht und wurde als Ausbilderin für den KVG-Nachwuchs eingesetzt. Ihr großes Ziel war jedoch immer, selbst eine Straßenbahn zu fahren. Doch noch während sie als Fahrschülerin unterwegs war, kam die Anordnung, dass vornehmlich die aus dem Krieg heimkehrenden Männer als Fahrer ausgebildet und eingesetzt werden müssen. So platzte ihr Traum, selbst eine Straßenbahn über das weitverzweigte Streckennetz zu fahren.

Vellmarerin am Steuer

Anders ist das bei Melanie Römer. Die Vellmarerin ist Straßenbahnfahrerin und wird bei der Jungfernfahrt während der offiziellen Eröffnungsfeier für die neue Strecke am Samstag, 22. Oktober, die erste offizielle Tram über die neuen Gleise in die Ahnestadt steuern.

Damit wird sie ein neues Kapitel des öffentlichen Nahverkehrs in Kassel aufschlagen. Im Anschluss gibt es in Vellmar ein großes Fest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.