150.000 Lkw-Fuhren zur Zeche

Braunkohle-Tagebau am Hirschberg bei Wickenrode wird renaturiert

Helsa. Der frühere Braunkohle-Tagebau am Hirschberg bei Wickenrode wird renaturiert. Im Minutentakt fahren schwere Lastwagen Abraum von der Baustelle des Tunnels Hirschhagen hierher, um die Deponie zu verfüllen.

Es ist eine der am schönsten gelegenen Baustellen in der Region: Aus 540 Meter Höhe an der Nordflanke des Hirschbergs bei Helsa-Wickenrode hat man einen herrlichen Blick über bewaldete Hügel bis nach Kassel und zum Herkules. Gleichzeitig ist es eine der größten Baustellen. Denn der frühere Tagebau, bei dem etwa vier Jahrhunderte (bis 2003) Braunkohle gefördert wurde, wird verfüllt.

1,5 Millionen Kubikmeter Abraum aus dem A 44-Tunnel Hirschhagen werden hier zur Rekultivierung des früheren Tagebaus abgelagert. 150.000 Lastwagenfuhren sind dafür nötig, erläuterte Hessen-Mobil-Mitarbeiter Reinhold Rehbein bei einem Ortstermin. Das bedeutet: 150.000 Lkw-Fahrten zum Hirschberg plus 150.000 Leerfahrten zurück zu den Tunnelbaustellen - eine große Belastung für die betroffenen Kommunen Helsa und Hessisch Lichtenau. Zur Umfahrung des Stadtteils Friedrichsbrück wurde eigens eine vorübergehende Umgehungsstraße gebaut. Durch Helsa rollen die leeren Lkw im Minutentakt.

Die Zeche Tiefenbach (10,6 Hektar) wird Ende dieses Jahres gefüllt sein, das Paradiesfeld (20 Hektar) Ende 2015 - zusammen ist das eine Fläche so groß wie 40 Fußballfelder.

Pausenlos fahren die schweren Lastwagen von der Tunnelbaustelle heran. 10 Kubikmeter Erdaushub haben sie jeweils auf der Ladefläche, das Material wiegt 20 Tonnen. Im Minutentakt kippen sie ihre Last ab, sie wird von schweren Planierraupen und Walzen verdichtet.

Bis zu 15 Meter hoch wird das Material - vor allem roter Buntsandstein und rote Erde - in die durch den Kohleabbau entstandenen Schluchten und Löcher in der Landschaft eingebaut. Das ursprüngliche Landschaftsbild soll so weitgehend wieder hergestellt werden.

Zur Ableitung des Wassers werden zwei Rückhaltebecken gebaut. Um sicherzugehen, dass der Hang nicht abrutscht, wurden Messstationen eingerichtet, die eventuelle Bewegungen des Bodens registrieren.

54 Lastwagen sind im Einsatz. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sind sie unterwegs. Etwa zehn Touren schafft jeder Lkw-Fahrer pro Arbeitstag.

Für die Fahrer ist der Transport nicht ungefährlich: Bis zu 15 Prozent beträgt die Steigung des Hangs, der hier wieder entsteht. Ein Lkw ist bereits beim Abladen auf die Seite gekippt. Ein weiterer Fahrer verunglückte auf der Zufahrtsstrecke, er fuhr mit seinem Lastwagen eine steile Böschung hinunter. „Es hat keine gravierenden Verletzungen gegeben“, sagte Rehbein.

„Wir bauen nur natürliches Material ein, das nicht belastet ist“, sagt Rehbein. Anschließend wird noch eine Schicht Mutterboden aufgebracht, um die Vegetation zu ermöglichen. Ab dem Frühjahr 2015 soll die Fläche bepflanzt werden.

Zeche Hirschberg wird renaturiert

Im Abschlussbetriebsplan der Zeche Hirschberg ist festgelegt, wie das Gelände aussehen soll. Mischwald und Flächen mit Sträuchern sollen hier wieder entstehen. Auch Trockenflächen als Biotope für Reptilien werden angelegt.

Von Holger Schindler

Rubriklistenbild: © Schindler, Holger

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