Bei Bränden an Fotovoltaikanlagen drohen Stromschläge – Schulung für Wehrleute

Löschen nur auf Distanz

Thomas Swoboda

Kreis Kassel. Solarstrom spielt in unserer Region eine immer größere Rolle. Auf vielen Dächern sind die blauen Fotovoltaik-Anlagen montiert, und ständig kommen neue hinzu. Doch der umweltfreundliche Sonnenstrom hat auch Schattenseiten: So sind Feuerwehrleute gefährdet, wenn sie ein Haus mit Solardach löschen müssen. Hier gilt es, genügend Abstand zu halten.

Denn immer wenn es hell ist, produzieren Solarmodule automatisch Strom, man kann die Module nicht abschalten. Möglich ist nur, den Stromfluss zwischen dem Wechselrichter und dem Stromnetz zu unterbrechen.

Bei dem erzeugten Solarstrom handelt es sich um Gleichstrom; die Spannung kann, je nach Größe und Bauweise der Anlage, 1000 Volt und damit eine lebensbedrohliche Stärke erreichen.

Die Feuerwehren haben das Problem erkannt und bereiten sich auf den Ernstfall vor. Der wird mit der steigenden Zahl der Anlagen künftig häufiger eintreten, meint der amtierende Kreisbrandinspektor Thomas Swoboda (Wolfhagen). Im vergangenen Jahr sei es in Wolfhagen bei der Montage einer Solaranlage bereits zu einem Brand gekommen.

Wie den besonderen Gefahren bei Fotovoltaikanlagen begegnet werden kann, darüber werde in Fachkreisen noch diskutiert, sagt der oberste Brandschützer im Landkreis. „Es gibt keine einfache Lösung.“

Die Einsatzkleidung der Feuerwehren sei kein Schutz gegen hohe Stromspannungen. Um einen Stromschlag zu vermeiden, helfe nur, Abstand zu halten. Das gilt auch beim Löschen per Wasserstrahl.

Im Ernstfall mangelt es auch an Informationen: Wie groß ist die Anlage? Wie stark ist die erzeugte Spannung? Wo genau verlaufen die stromführenden Kabel?

Im Einsatz sind dies wichtige Details für die richtige Taktik. Die Feuerwehren fordern daher einheitliche Regelungen, etwa ein Schild am Sicherungskasten des Hauses, das über die installierte Fotovoltaikanlage informiert. Ein Abschaltknopf müsse ebenso Standard werden.

Auch bei der Ausbildung muss einiges getan werden. Die 112 Feuerwehren im Landkreis Kassel müssen geschult werden, wie sie sicher vorgehen können.

Der Fuldabrücker Gemeindebrandinspektor Michael Heyne hat sich bereits mit dem Thema befasst. Zusammen mit anderen Führungskräften aus dem Landkreis hat er an einer Schulung der Firma SMA für Feuerwehrleute teilgenommen. Die Informationen sollen nun in die Schulungen der Einsatzkräfte einfließen. HINTERGRUND

STICHWORT / DAS SAGT

Archivfotos: privat/nh

Von Holger Schindler

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