Parlament diskutierte über Hähnchenmaststall – Erweiterung auf 160 000 Tiere

Lohfelden macht Auflagen

Verdoppelung: Der bestehende Maststall bei Vollmarshausen soll auf 160 000 Hähnchen verdoppelt werden. Archivfoto: Schindler

Lohfelden. Die Erweiterung der Hähnchenmastanlage Gundelach/Horch GbR bei Vollmarshausen um zusätzlich fast 80 000 Tiere rückt näher: Nachdem die obere Landwirtschaftsbehörde beim Regierungspräsidium Kassel das Vorhaben im Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz für grundsätzlich zulässig erklärt hat, wird jetzt auch die Gemeinde Lohfelden das erforderliche Einvernehmen erteilen. Das hat die Gemeindevertretung am Donnerstag mit großer Mehrheit beschlossen.

Die Gemeinde macht allerdings erhebliche Bedenken gegen die positive Beurteilung der landwirtschaftlichen Privilegierung der Anlage geltend und knüpft ihre Zustimmung an die Erfüllung von Auflagen.

In der vom Parlament gebilligten Stellungnahme fordert die Gemeinde für den Maststall ein neues Wasserversorgungs- und Brandschutzkonzept und verlangt eine Schmutzwasserbehandlung der Gülle vor deren Ausbringung auf die Felder.

Auch zur Erschließung hat die Gemeinde abweichende Vorstellungen. Statt der Anbindung über den Wirtschaftsweg „Sandwiesen“ verlangt sie, die Anlage auf dem kürzesten Weg an das übergeordnete Verkehrsnetz anzuschließen.

In der Stellungnahme werden Zweifel an der Nachhaltigkeit und Bestandskraft des für Tierfutter erbrachten Flächennachweises formuliert. Die Gemeinde Lohfelden fordert deshalb von der Aufsichtsbehörde, die Voraussetzungen für die positive Beurteilung der Privilegierung alle zwei Jahre zu überprüfen. „Was ist an dieser industriellen Mastanlage noch Landwirtschaft?“, fragte Walter Roth (U2L), der auf gesundheitliche Gefahren für die Bevölkerung durch die Ausbringung der Gülle auf die Felder hinwies und zusätzliche Nachweise forderte. Für Dr. Christoph Brake (Grüne) ist die Mastanlage in Vollmarshausen „keine Landwirtschaft, sondern Fleischindustrie“. Jeder Bürger sei durch sein Konsumverhalten für gesundes Essen und eine gesunde Natur mitverantwortlich, sagte Norbert Thiele (SPD).

„Wir haben keine gesellschaftspolitische Bewertung vorzunehmen“, sagte Bürgermeister Michael Reuter (SPD). Er halte es deshalb für wichtig, dass die Antragsteller die von der Gemeinde geforderten Auflagen erfüllen. Wie Bernd Hirdes (SPD) wiesen Sprecher der Parteien auf die beschränkten baurechtlichen Mitwirkungsmöglichkeiten der Gemeinde hin. John Jory (Grüne) beklagte, „mit welcher Nachlässigkeit die Planungsunterlagen vorbereitet worden“ seien. Für die CDU verlangte Rudi Paul eine konsequente Abarbeitung der Auflagen. (ppw) HINTERGRUND

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