Rettungskräfte mussten laufen

Augenzeugen nach Unfall: Rettungsgasse auf A7 ist unmöglich

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Neuralgischer Punkt: Auf der provisorischen Beschleunigungsspur bleibt oft wenig Raum, um auf die A 7 zu gelangen. Das Foto zeigt auch, wie schmal die drei Fahrstreifen in Richtung Norden Norden sind. Am schmalsten ist der Fahrstreifen links. 

Lohfelden/Kassel. Dr. Arnim Ulrich aus Edermünde war am Freitagabend auf der A7 bei Lohfelden unterwegs, als der Unfall passierte. „Auf der rechten Seite standen endlos Lastwagen.“

Das hat der Arzt am Montag gegenüber der HNA geschildert.Er sei auf der mittleren der drei Fahrspuren unterwegs gewesen. „Auf einmal ging nichts mehr“, so der Mediziner, „es war so voll.“ Eine Rettungsgasse zu bilden, das sei nicht mehr möglich gewesen. „Wir haben noch zu rangieren versucht, aber es ging einfach nicht.“ Auch Lkw-Fahrer Günter Mitteldorf kann die Kritik der Polizei an den Verkehrsteilnehmern nicht verstehen. „Ich stand mit meinem Sattelzug selber in diesem Stau, und zwar ganz rechts an der Betonwand“, berichtete er. „Selbst wenn die Autofahrer sich bemüht hätten: Es war kein Platz für eine Rettungsgasse.“

Für ihn stehen die Verantwortlichen für die gefährliche Situation in der Baustelle zwischen Kassel-Mitte und Kassel-Ost fest: „Es sind die Personen, die eine solche Baustelle einrichten.“ Bei Hessen Mobil weist man die Vorwürfe zurück. „Der provisorische Beschleunigungsstreifen wurde vor knapp zwei Jahren hergestellt“, sagte Behördensprecher Horst Sinemus gegenüber dieser Zeitung, „dabei wurden die räumlichen Möglichkeiten vor Ort ausgeschöpft.“ Hessen Mobil sieht „keine Möglichkeiten und keine Veranlassung für Änderungen der derzeit bestehenden Verkehrsführung“.

Dass es kaum möglich ist, eine ausreichend breite Gasse zu bilden, das belegt die Aufteilung der Nordfahrbahn: Die linke Spur ist 2,60 Meter breit, die mittlere 2,75 Meter und die rechte, vor allem von Lastwagen genutzte Fahrspur, misst 3,25 Meter. Selbst wenn eine Rettungsgasse gebildet worden wäre: Ein Rüstwagen der Feuerwehr oder ein Abschleppwagen hätte da schwerlich durchgepasst.

Polizeisprecher Matthias Mänz wirbt gleichwohl für die Rettungsgasse an dieser Stelle. Für die Polizei wäre es schon hilfreich, wenn wenigstens ein Motorrad durchgepasst hätte, um zu dem Unfall zu gelangen, so der Sprecher auf HNA-Anfrage. Er räumte allerdings zugleich ein, dass am Freitagabend kein Polizeimotorrad im Einsatz gewesen sei.

Für grundsätzlich sinnvoll hält man bei der Kasseler Polizei flexible Leitplanken, die bei Unfällen geöffnet werden können, um Polizei und Rettungskräfte über die Gegenfahrbahn an eine Unfallstelle heranzuführen. Eine derartige Lösung in Nordhessen sei der Polizei allerdings nicht bekannt, so Mänz. Gleich gegen die Fahrtrichtung auf der Autobahn zu fahren sei trotz Sperrung für Polizei und Rettungskräfte riskant. „Das ist grundsätzlich die absolute Ausnahme“, so der Sprecher.

Die Polizei habe keine Hinweise, dass der Unfall auf der A 7 auf die verkürzte Beschleunigungsspur zurückzuführen sei. Vielmehr habe der Pkw-Fahrer den Lastwagen übersehen. 

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