Vizemeister im Einparken

Automobilturniersport: Nordhessen erfolgreich am Lohfeldener Rüssel 

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Erfolgreiches Gespann: Tim und Peter Löbach fahren beide einen alten VW Polo. Vater und Sohn verbringen für ihren Turniersport viel Zeit mit dem Schrauben an den Fahrzeugen. Die Ecken und Kanten älterer Autos helfen als Orientierungspunkte beim Rangieren, sagen sie.

Lohfelden. Das Automobilturniersport-Team des ADAC Hessen-Thüringen hat bei den Süddeutschen Meisterschaften am Lohfeldener Rüssel den zweiten Platz belegt.  

Und auch in den Einzelwertungen haben die Nordhessen sehr gut abgeschnitten. 

In der Einzelwertung der Herren wurde Tim Löbach vom MSC Homberg Vizemeister vor seinem Vater Peter Löbach, der dem gleichen Club angehört. Rolf Oswald vom ADAC Württemberg belegte hier mit knappem Vorsprung den ersten Platz. Die Eschweger Lokalmatadorin Sabine Jentsch (AC Eschwege) konnte ihren Titel bei den Süddeutschen nicht verteidigen. Sie wurde diesmal Dritte in der Damenwertung. 

Ganz vorn lagen zwei Fahrerinnen des ADAC Württemberg. Das nordhessische ADAC-Team verpasste den Meistertitel vor allem, weil dem amtierenden Deutschen Meister Peter Löbach ein Fahrfehler unterlief. Das kostete 20 Strafsekunden. Dennoch sind alle nordhessischen Spitzenfahrer für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert, die am 7. Oktober in Karlsruhe ausgetragen wird. 

MIT KARACHO IN DIE PARKLÜCKE 

Eine Autofahrt durch die Innenstädte ist heutzutage oft stressig: Da wird kreuz und quer und oft falsch geparkt. Die Parkplatzsuche wird oft zur Odyssee. Peter Löbach ist dagegen immer entspannt unterwegs, trotz der vielen engen Gassen in seiner Heimatstadt Homberg. „Ich finde immer eine Lücke“, sagt er. Kein Wunder, der Homberger ist ein Profi, was das präzise Rangieren mit dem Auto auf engstem Raum angeht, und das im Zeitraffertempo.

Löbach ist Deutscher Meister im Automobilturniersport des Verkehrsclubs ADAC und war einer der Favoriten bei den Süddeutschen Meisterschaften, die am Wochenende vom ADAC Hessen-Thüringen erstmals in Hessen, auf dem Lkw-Parkplatz des Lohfeldener Rüssel, ausgetragen wurden. 28 Teilnehmer waren am Start, darunter viele süddeutsche Autofahrer. Gerhard Volland, seit 15 Jahren Bereichsleiter für den Turniersport des ADAC Hessen-Thüringen, hatte von seinen Mitstreitern einen Hindernisparcours abstecken lassen, der den ungeübten Autofahrer schon in normalem Tempo vor Probleme stellen würde. Die Besten schafften den Parcours in wenig mehr als einer Minute.

Ebenfalls mit einem Polo im Parcours: Sabine Jentsch wollte am Steuer immer mehr können als Fahrschulen vermitteln. 

In diesem Turniersport sind die Fahrer aus dem Süden Deutschlands in der Überzahl. Doch auch die Nordhessen haben erfolgreiche Piloten. Neben Löbach ging auch sein Sohn Tim an den Start, Vierter der Deutschen Meisterschaften. Der junge Mann hat schon vor sieben Jahren – mit 17 – bei Deutschen Meisterschaften im oberen Mittelfeld mitgemischt. Vater und Sohn sind mit VW Polos unterwegs, die älter als Tim sind. Sie haben mehr als 25 Jahre auf dem Buckel. Die Löbachs haben sie für ihren Sport eigenhändig aufgerüstet, beispielsweise mit einem tiefergelegten Fahrwerk für die Slalomfahrten. Der Automobilsport sei schon immer sein Wunsch-Hobby gewesen, sagt Peter Löbach, der seit 30 Jahren erfolgreich im Turnier-Zirkus mitmacht. Der Turniersport sei finanziell noch erschwinglich und biete schnelle Erfolgserlebnisse.

Dennoch leidet dieser Sport unter Nachwuchsmangel. Das liege wohl auch daran, dass die modernen Autos das Rangieren mit immer mehr Assistenzsystemen erleichterten, sagt Löbach. Sabine Jentsch vom AC Eschwege, die nach der Fahrschule mit 18 Jahren Turniersportlerin wurde, ihren Titel in Lohfelden verteidigen musste und schon Deutsche Meisterin war, findet das schade. Wer diesen Sport betreibe, profitiere für seinen Alltag, sagt sie und fügt hinzu: „Jede Fahrschule sollte einmal ihre Schüler auf so einem Parcours trainieren lassen.“ Das habe der ADAC Fahrschulen schon angeboten, sagt Organisator Volland. Diese hätten aber bisher kein Interesse gehabt. 

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