Besteller-Prinzip beutelt kleine Makler

Die Immobilienmaklerin Sabrina Heinemann aus Lohfelden stemmt sich mit neuen Angeboten gegen den Rückgang der Vermittlungsaufträge. Foto: Wohlgehagen

Lohfelden. Das von der Bundesregierung eingeführte Besteller-Prinzip macht vor allem kleinen Maklern zu schaffen. Die Zahl ihrer Aufträge sinkt.

Mit neuen Angeboten versucht man, der Existenzkrise entgegenzutreten. Mit der Einführung des Besteller-Prinzips durch den Bundesgesetzgeber hat am Wohnungsmarkt eine neue Zeitrechnung begonnen: Seit 1. Juni muss derjenige den Makler bezahlen, der ihn beauftragt hat. Acht Wochen nach dem Inkrafttreten des neuen Mietrechts fürchten insbesondere kleine Maklerbüros um ihre Existenz.

Die Neuregelung hat zur Folge, dass viele Eigentümer ihr Angebot bei den Immobilienmaklern herausgenommen haben, um selbst auf die Suche nach Mietern zu gehen. Auch Mieter tun sich schwer, Suchaufträge zu unterschreiben.

Die seit fünf Jahren selbstständige Immobilienmaklerin Sabrina Heinemann (28) aus Lohfelden spürt die Auswirkungen der Mietrechtsnovellierung: „Die Hälfte der Eigentümer hat ihr Angebot bei mir herausgenommen“, sagt die Maklerin in einem Gespräch mit der HNA. Sie mache sich jetzt echte Sorgen um ihre geschäftliche Zukunft: Die Umsätze gehen zurück, aber die Bürokosten und alle weiteren Firmenaufwendungen laufen weiter.

Sabrina Heinemann hat schnell auf die neuen Herausforderungen reagiert. Mit dem Immobilienverkauf und der Wohnungsverwaltung sind ihrem kleinen Maklerbüro, in dem noch eine weitere Mitarbeiterin tätig ist, zusätzliche Geschäftsfelder angegliedert worden.

Sie werde Haus- oder Wohnungskäufern kleinere Belohnungen bei der Provision in Aussicht stellen, wolle ihre Dienstleistungen aber nicht „unter Wert verkaufen“, sagt die junge Maklerin, die jetzt auch mit professionell aufgemachten Drucksachen um potenzielle Kunden wirbt.

„Die neue Rechtslage ist absolut nicht praxistauglich“, kritisiert Sabrina Heinemann. Und weiter: Bisher hätten immer die Mieter die Provision bezahlt, sie würden aber künftig nicht entlastet, weil die Vermieter die Maklerkosten auf die Miete verteilen. „Nach fünf Jahren haben die Mieter dann das Dreifache bezahlt“, so die Maklerin.

Bei der Vermittlung von Wohnungen bietet das Büro Heinemann jetzt Leistungspakete an: Das Basispaket umfasst das Exposé, Inserieren in Portalen und Besichtigungen für eine Kaltmiete. Als zweites Paket gibt es für zwei Kaltmieten die Komplettleistung bis zur Wohnungsübergabe.

„Man muss abwarten, wie sich alles entwickelt“, so Jutta Biallas von der Geschäftsstelle Frankfurt des Immobilienverbands Deutschland (IVD), in dem die Makler bundesweit zusammengeschlossen sind. Irgendwie müsse man reagieren und neue Lösungen ausprobieren, sagte die Pressesprecherin.

Die neuen Modelle am Markt reichen von einer Vermittlungspauschale bis zu Premiumleistungen (z.B. Mietausfallversicherung) von ein bis zwei Monatsmieten. Erst in den nächsten Monaten sei erkennbar, welche Modelle sich durchsetzen, so der IVD. Der Immobilienverband hatte sich zuvor vergeblich gegen die gesetzliche Neuregelung gewandt.

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