Deutsch lernen mit Smartphone

Besuch in der Hornbach-Unterkunft in Lohfelden - Flüchtlinge berichten

Lohfelden. Vor einer Woche zogen die ersten von 800 Flüchtlingen in die Unterkunft bei Hornbach in Lohfelden. Nun hatten Medienvertreter erstmals Gelegenheit, sich dort umzusehen.

Der erste Eindruck: Es ist warm und überraschend ruhig. 291 Männer aus Syrien, Pakistan, Afghanistan, Albanien, dem Irak und anderen Ländern leben seit einer Woche im früheren Zoo- und Gartenmarkt Hornbach in Lohfelden.

Wo früher Hamster und Geranien verkauft wurden, stehen jetzt 100 gezimmerte Holzverschläge mit jeweils sechs bis acht Stockbetten. Schränke gibt es nicht, die Flüchtlinge leben aus dem Rucksack oder Koffer. Außer Kleidung und einem Handy besitzen sie eh nichts. Wichtig ist die Steckdose im Raum, hier können die Smartphones geladen werden - wichtig für die Verbindung zu den Familien in der Heimat.

Rund 30 Medienvertreter konnten sich am Mittwoch auf Einladung des Regierungspräsidiums Kassel ein Bild vor Ort machen. Es ist ein kleines Dorf unter dem weittragenden Dach. Es gibt eine Registrierungsstelle, gleich daneben steht die Infowand mit dem KVG-Busfahrplan auf Arabisch und den Gebetszeiten in der nahe gelegenen Moschee. An der Essensausgabe stehen die Zeiten auf Englisch. Man ist international, zwölf Übersetzer sind ständig vor Ort. Zweimal die Woche kommt ein afghanisch sprechender Arzt zur Sprechstunde vorbei.

Die Flüchtlinge sind zurückhaltend. Neugierig beäugen sie die Journalisten, und geben dann bereitwillig Auskunft. Alle äußern sich dankbar und froh über ihre Aufnahme.

Kawa (30) hat in Syrien als Schneider gearbeitet. Er sei froh, in Deutschland in Sicherheit zu sein, übermittelt der junge Übersetzer. Drei Tage sei er auf der Flucht durch einen Wald in Griechenland geirrt.

Ndue (22) und Klajdi (23) aus Albanien spielen Backgammon. Den halben Tag. Zu tun haben sie nichts, wie alle hier. „Wir sind nicht zum Spaß hier“, sagt Ndue in gebrochenem Englisch. Zu Hause habe er zwar ein eigenes Zimmer, aber keine Perspektive. Gewalt und Korruption seien unerträglich.

„Wie geht es dir?“, fragt Yamen (34) mit einem strahlenden Lächeln. Der Ökonom aus Latakia/Syrien lernt auf eigene Faust Deutsch. Vor ihm auf dem Biertisch tönt ein Smartphone mit Deutsch-Lektionen auf Arabisch. „Wir kommen nicht von Syrien, weil wir arm sind, sondern weil unser Leben bedroht ist“, sagt Muneer (35), angesprochen auf sein i-Phone. Der IT-Experte möchte nach dem Krieg wieder zurückkehren.

Einblick in das Leben in der Flüchtlingsunterkunft Lohfelden

Deutschunterricht gibt es in der Erstaufnahme-Einrichtung nicht. Doch die Gemeinde will bald Deutschunterricht vormittags im Jugendzentrum Lohfelden anbieten, berichtet Koordinatorin Maike Oertel von der Gemeindeverwaltung. Unterrichten werden Bürger, die sich dazu in der Lage fühlen.

In der Nähe spielen zwei junge Männer Tischtennis, die Platte hat eine Familie aus Lohfelden gespendet, berichtet Einrichtungsleiterin Tanja Schmidt-Hosse. In den kommenden Tagen erwartet sie die Ankunft vor allem von Familien mit Kindern. Einen Raum für die Kinderbetreuung habe man bereits reserviert. Infos: www.lohfelden.de

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