„Wir hatten einen Schutzengel“

Bewohner des Lohfeldener Brand-Hauses: "Flammen schlugen zwei Meter hoch"

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Spurensuche: Axel John zeigt die Reste verkohlten Papiers, das Unbekannte möglicherweise angezündet und unter der verschlossenen Kellertür durchgeschoben haben.

Lohfelden. Nach dem Brand eines Wohnhauses in Lohfelden am Montagabend sind Bewohner und Nachbarn schockiert und in Angst. 

Update um 11.28 Uhr: Brandstifter von Lohfelden ist gefasst: Es war ein 14-Jähriger

Axel John schaut auf das verkohlte Gerippe am Boden des Treppenhauses an der Hauptstraße 50. Das war einmal ein Kinderwagen. Der Rentner deutet auf die Wand, von der sich Farbe und Putz gelöst haben – offensichtlich unter hoher Hitzeeinwirkung. Auch unter der Decke ist ein Stück Putz herausgebrochen.

Der Brandgeruch ist durchdringend. Treppe und Fenster im gesamten Treppenhaus sind von einer dunkelgrauen Rußschicht überzogen. „Wir haben gestern Abend alle einen Schutzengel gehabt“, sagt John.

Nur noch ein Gerippe: Die Überreste des verbrannten Kinderwagens lagen noch gestern Mittag in dem schwer beschädigten Treppenhaus.

Er selbst war wohl auch einer: John wohnt mit seiner Frau im Nachbarhaus Nr. 48. Er sei am Montagabend noch mal vor die Haustür gegangen, um eine Zigarette zu rauchen. Da habe er leichten Brandgeruch aus Richtung des Kellers wahrgenommen, erzählt der Lohfeldener. Im gleichen Moment sei eine Passantin, ein junges Mädchen, auf ihn zu gerannt und habe gerufen: „Im Nachbarhaus brennt es“. Während das Mädchen nach der Feuerwehr telefonierte, habe er die Mieter des Nachbarhauses herausgeklingelt. „Da war dichter Rauch, und die Flammen schlugen mindestens zwei Meter hoch“, erzählt der Rentner.

Alles war voller Rauch

Im ersten Stock des Hauses steht Maria Madingani und ihrer Tochter Rebecca noch der Schock der vergangenen Nacht in die Gesichter geschrieben. „Meine drei Töchter haben mir gesagt, dass es so komisch riecht“, erzählt die gebürtige Angolanerin. Das habe sie erst nicht ernst genommen. Die siebenjährige Rebecca habe sie aber zur Flurtür gezogen. „Ich öffnete sie. Alles war dunkel und voller Rauch“, erzählt die Afrikanerin. „Wir hatten Angst, nicht mehr aus dem Haus herauszukommen“. Das sei dann aber ohne Verletzungen gelungen. Auch die Familie gegenüber gelangte ohne Blessuren ins Freie. Die Eltern und ihre Kinder wirken am Tag danach sehr gefasst. Die Familie mit dem verbrannten Kinderwagen ist anscheinend nicht zu Hause.

Madingani und der Rentner John haben Angst. Vor einem Jahr hätten hinter dem Mietshaus schon mal Mülltonnen gebrannt, erzählt die dreifache Mutter. Und John erzählt von Briefkästen in Nr. 48, die einmal ohne ersichtlichen Grund gebrannt hätten. John selbst merkte erst nach seiner Rückkehr, dass auch die Bewohner seines Hauses nur mit viel Glück einer Katastrophe entgangen sind: In seinem Kartoffelkeller entdeckte er ein verkohltes Papierknäuel. Das Feuer war offensichtlich von selbst erloschen. Zuvor habe sie seltsame Geräusche vom Keller her gehört, berichtet seine Frau und sagt: „Hoffentlich wird der Täter bald gefasst. Ich kann sonst nachts nicht mehr schlafen.“

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