Bei der Post hakt es immer noch

Briefkästen im Kreis Kassel bleiben teilweise wochenlang leer

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Kein Brief im Kasten: Simone Bogisch aus Martinhagen hat seit zwei Wochen keine Post mehr bekommen. 

Kreis Kassel. Es ist ein bisschen wie Weihnachten: An manchen Tagen hat Simone Bogisch aus Martinhagen einen ganzen Batzen Briefe im Kasten. Es kann aber auch sein, dass sie eine Woche leer ausgeht.

Nicht, weil ihr niemand schreibt, im Gegenteil: Dass sie in den vergangenen Wochen in Schauenburg nicht die Einzige war, ist ihr bewusst.

„Ich kann ja an dem Stempeln sehen, wann die Briefe eingeworfen werden“, sagt sie. Das Datum liege oft schon vier, fünf Tage zurück. „Es gibt Tage, sogar Wochen, an denen bei mir einfach nicht zugestellt wird“, beschwert sich Bogisch.

Vermehrt beklagen HNA-Leser in jüngster Zeit, dass ihnen nur unregelmäßig Briefpost zugestellt wird. Ein persönliches Ärgernis – aber manchmal auch ein echtes Problem.

Dieter Rudolph aus Lohfelden hatte eine Zusage für seinen beantragten Rehasport erst erhalten, nachdem der Kurs begonnen hatte. „Ich kann nicht nachvollziehen, was bei der Post los ist“, ärgert sich Rudolph. Ein grundsätzliches Problem sieht man bei der Deutschen Post nicht. Allerdings sei es wegen ungewöhnlich hoher Krankenstände zuletzt vereinzelt zu Verzögerungen gekommen. „Da auch Vertreter erkrankt waren, mussten die Touren teilweise auf andere Mitarbeiter mit aufgeteilt werden“, heißt es auf Nachfrage. „In einigen Fällen konnte daher nicht die gesamte Tour bis zu Ende beliefert werden“, sagt Post-Pressesprecher Thomas Kutsch. Davon betroffen gewesen seien auch Baunatal und Schauenburg. Inzwischen sei der Stammzusteller aber wieder im Dienst, so Kutsch.

Deutsche Post bestimmt den Markt

Auch andernorts kam es demnach zu „Zustellabbrüchen“. Inklusive Pausen darf ein Postbote während seiner Schicht nicht länger als zehn Stunden arbeiten. Schaffe ein Zusteller seine Tour wiederholt nicht in dieser Zeit, würde ihm ein weiterer Kollege zur Seite gestellt. Generell seien Mitarbeiter in solchen Fällen angehalten, verzögerte Sendungen am Folgetag zuerst auszuliefern, so Kutsch. Die Betroffenen können das nicht bestätigen. „Das sind keine Ausnahmefälle“, sagt Bogisch. Keiner der Kunden will, dass sein Postbote Ärger bekommt –  weil der „nett“, „freundlich“ und „höflich“ sei. Den Fehler sehen alle Betroffenen im System.

„Die Post ruht sich auf ihrem Monopol aus, und das unter der Überschrift Dienstleistung“, sagt Bogisch. Auch Jahre nach der Privatisierung kontrolliere der Konzern laut Bundesnetzagentur 87,3 Prozent des Marktes.

„Ich bin müde geworden, mich zu beschweren“, sagt Bogisch. „Das zermürbt.“ Als Bogisch sich in ihrer Filiale nach der Beschwerdehotline erkundigte, die von Bonn aus bedient wird, habe sie die Auskunft bekommen: „So alt können Sie gar nicht werden, dass Sie da jemanden erreichen“, erzählt sie. Simone Bogisch ärgert sich über floskelreiche Standard-Antwortschreiben. „Da legen die noch drei Briefmarken bei, und damit ist die Sache erledigt.“

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