Autobahn war am Wochenende nachts gesperrt

Brücke über die A7: Millimeterarbeit mit 60 Tonnen Stahl

Zwei Stahlfachwerk-Konstruktionen sind am Wochenende auf der A7 zwischen Kassel und Lohfelden an der Lindenkopfbrücke, die die Gemeinde mit dem Kasseler Stadtteil Forstfeld verbindet, verankert worden. 

Ihre Fundamente werden nun einbetoniert. In zwei bis drei Wochen können die Acrylglas-Elemente für diese beiden Lärmschutzwände an der Brücke in die Konstruktion eingeschoben werden. Für die Anwohner der vielbefahrenen Autobahn in diesem Bereich soll es dann merklich ruhiger werden.

Am Samstagmorgen kurz vor 3 Uhr auf der Lindenkopfbrücke zwischen Kassel-Ost und Kassel-Mitte. Noch rauschen unten auf der A 7 schwere Lkw und einige Autos an dem mächtigen Kran vorbei, der die 30 Tonnen schwere und rund 60 Meter lange Gitterkonstruktion, deren Form an einen dreieckigen Toblerone-Schokoladenriegel erinnert, schon an den Haken genommen hat. Um 3 Uhr erstirbt schlagartig der Verkehr. Ein Mitarbeiter von Hessen Mobil hat beide Autobahnauffahrten abgesperrt. Die Folgen sind auf der B 80 bei Waldau, dem großen Kreisel und der Dresdner Straße in Kassel schnell zu beobachten: Endlose Kolonnen von schweren Lkw wälzen sich über diese Umleitungsstrecke.

Für die Mitarbeiter der Firma Stahlbau Magdeburg, deren Tradition fast bis in die Anfangsjahre der früheren DDR zurückreicht, beginnt jetzt der heikelste, gut eine Stunde währende Teil ihrer Aufgabe. Sie müssen die Fachwerkkonstruktion präzise in die Schlitze von Stahlrohren bugsieren, die neben der Lindenkopfbrücke aufragen.

Der Motor des Krans heult auf, der Stahlträger schwebt in die Höhe und dreht über der Brücke wie ein Frachter bei unruhiger See. Es weht nur ein schwaches Lüftchen in dieser Nacht. Dennoch müssen sich Arbeiter wie Seeleute, die ihr Schiff im Hafen vertäuen wollen, ins Zeug legen. Laute Rufe erschallen, vier Mann sind am Ende nötig, um das Stahlmonstrum mithilfe starker Taue zu bändigen, und zu verhindern, dass es gegen einen weiteren Kran oder eine Lärmschutzwand an der A7 schlägt. „Nur noch fünf Millimeter, dann rutscht er rein“, sagt einer der Arbeiter, als sich die Konstruktion auf die Stahlrohre senkt.

Auf der Lohfeldener Seite rastet die Konstruktion als erstes ein, auf der Kasseler dauert es etwas länger. Nur ein Zaungast verfolgt augenscheinlich diese spannenden Momente und fotografiert eifrig. „So etwas bekommt man so schnell nicht wieder zu sehen“, sagt der Lohfeldener, der nicht mal einen Steinwurf von der Brücke entfernt wohnt.

Wenn in ein paar Wochen die drei Meter hohen Acrylwände mit einem Kran eingeschoben werden, muss nur jeweils eine Autobahnspur gesperrt werden.

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