Städte und Gemeinden weisen Vorwürfe zurück

Bürgergas mahnt 18 Kommunen wegen Werbung für EAM ab

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Mit eigenen Produkten am Markt: Der Kasseler Regionalversorger EAM mit den beiden Geschäftsführern Thomas Weber (links) und Georg von Meibom.

Kreis Kassel. 18 Kommunen aus Nordhessen haben eine Abmahnung von dem Gas- und Stromanbieter Bürgergas (Gründau / Main-Kinzig-Kreis) erhalten. Der Vorwurf: Sie sollen Werbung für den Konkurrenten EAM gemacht haben.

Das sei unlauterer Wettbewerb. Die Kommunen sind demnach aufgefordert worden, die Werbung sofort einzustellen.

Auslöser war möglicherweise die Homepage der Gemeinde Berkatal im Werra-Meißner-Kreis. Dort ist auf der Startseite das EAM-Logo mit der Aufforderung „Besuchen Sie unseren kommunalen Energieversorger - mit einem Klick auf das Logo“ zu sehen.

Zwei der Gemeinden in unserer Region, die die Abmahnung erhalten haben, sind Söhrewald und Lohfelden. Eine vollständige Liste der Kommunen wollte Bürgergas nicht herausgeben.

Die Vorwürfe von Bürgergas beziehen sich auf die sogenannte Heimvorteilstour der EAM Energie GmbH. Einige Gemeinden hätten Plakate zur Bewerbung dieser Werbe-Tour aufgehängt, im Internet hätten sie Pressemitteilungen der EAM auf ihren kommunalen Homepages veröffentlicht.

Die betroffenen Kommunen haben eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, in der sie sich gegen die Vorwürfe wehren. „Eine Kommune darf in Erfüllung ihrer Aufgaben Verbraucher in angemessener Weise über die Zusammenarbeit mit einem privaten Unternehmen unterrichten“, heißt es darin. Dies habe der BGH in einem Urteil 2012 bestätigt.

Das sieht man bei Bürgergas anders. „In der hessischen Öffentlichkeit entsteht nach meiner Ansicht aktuell der Eindruck, als ob die Verbraucher durch den Verkauf des Netzes von Eon an EAM alternativlos nur einen Wechsel zur EAM erwägen könnten“, sagt Dr. Tilmann Haar, Geschäftsführer bei Bürgergas. Dabei gebe es weitere „konzernfreie und günstige Anbieter“. Durch das einseitige Marketing der Kommunen für die EAM entstehe eine „verzerrte Wahrnehmung des Wettbewerbs für den Verbraucher“.

Bei EAM reagiert man mit gemischten Gefühlen auf die Abmahnwelle: Für die Kommunen sei die natürlich ärgerlich, für das Unternehmen aber positiv: „Das zeigt, dass wir mittlerweile ernst genommen werden.“ 13 der 18 abgemahnten Kommunen seien Anteilseigner bei der EAM.

Die betroffenen Kommunen wollen nun ein abgestimmtes Abwehrschreiben an Bürgergas schicken, in dem sie die Ansprüche zurückweisen.

Wie Bürgergas darauf reagieren wird, ist offen. Der südhessische Versorger wollte sich aufgrund der laufenden Rechtsstreitigkeit nicht dazu äußern.

Wenn Bürgergas seine Ansprüche gerichtlich durchsetzen wolle, sei man vorbereitet, heißt es vonseiten der Kommunen.

EAM ist dabei, seine Vertriebsaktivitäten auszubauen. Dabei sollen die Nordhessen dazu bewegt werden, Strom und Gas von dem nordhessischen Versorger zu beziehen. Dazu sollen in Rathäusern Servicebüros errichtet werden, in denen man sich beraten lassen, aber auch Lieferverträge schließen kann. Das erste Servicebüro ist in Söhrewald-Wellerode eröffnet worden.

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