Tierärzte müssen Halter aufklären

Chip ohne Registrierung: Gefundene Katze in Lohfelden wurde verwechselt

Melanie Hättich

Lohfelden. Wie wichtig es ist, Haustiere registrieren zu lassen, hat sich jetzt in einem Fall in Lohfelden gezeigt: Ein herrenloser Kater wurde von seiner Familie wiederentdeckt, konnte dieser aber nicht zugeordnet werden, weil er zwar gechippt war – aber nicht registriert.

Seine Besitzer waren durch einen HNA-Artikel auf das Tier aufmerksam geworden. Eine Nachbarin habe ihr den Artikel in den Briefkasten geworfen, erzählt Freia Noack-Eberhardt. 

Vor Kurzem hatten wir über Katze Pebbles berichtet, die nach fünf Jahren dank einer Registrierung wieder zurück zu ihrer Halterin gekommen war. Dazu hatten wir das Bild des Katers gestellt, der gefunden wurde. Sofort habe sie ihren Kater erkannt – zumindest dachte sie das.

Freia Noack-Eberhardt hatte sich auf den Artikel gemeldet. Sie war bislang davon ausgegangen, dass ihr Kater Samy registriert ist und sich der Finder meldet. Vor sechs Jahren, als er als Jungtier zu der Familie kam, habe das der Tierarzt erledigt, so die Mutter von zwei Kindern. Der in Lohfelden ansässige Tierschutzverein Hand und Pfote, der von der Finderin des Katers informiert worden war, stellte aber fest, dass der Chip zwar existiert, die Adresse aber nicht beim Haustierregister hinterlegt ist. „Das wurde wohl von der Tierärztin versäumt“, ärgert sich Noack-Eberhardt, hatte sie doch für Chip und Registrierung beim Tierarzt gezahlt. Auch verfüge sie nicht über den Code, mit dem der Kater versehen wurde. Deshalb konnte nicht nachvollzogen werden, ob es sich tatsächlich um den Kater der Familie Noack handelt.

Melanie Hättich

Erst als jetzt herausgefunden werden konnte, wann der Kater registriert worden ist, war sicher: Es handelt sich nicht um Kater Samy, sondern um ein anderes Tier. „Dieser Kater wurde wohl erst vor drei Jahren kastriert, bei unserem Samy liegt das schon viele Jahre zurück, so Noack-Eberhardt. Laut Tierschützerin Melanie Hättich habe es vor drei Jahren eine Kastrierungsaktion herrenloser Katzen gegeben, darunter war wohl auch dieser Kater.

Hättich ist die Vorsitzende des Lohfeldener Vereins Hand und Pfote, der sich um herrenlose Tiere kümmert. Es sei problematisch, wenn Tiere keinem Besitzer zugeordnet werden können. Über das Problem müssten Tierärzte ihre Patienten aufklären.

Im Falle des herrenlosen Katers in Lohfelden ist einiges schiefgelaufen. Dass es sich dabei nicht um Samy handelt, sei sehr schade, so Noack-Eberhardt. Man ziehe aber in Erwägung, ihn dennoch bei sich aufzunehmen. Sicher sei das allerdings noch nicht.

Hintergrund

Laut Hannah Reiter, Tierärztin in der Praxis Dr. Hollstein in Lohfelden, gibt es zwei Möglichkeiten, ein Haustier mit einer Nummer zu versehen. Ein Chip (35-40 Euro) kommt unter die Haut, ist nicht sichtbar und nur mit einem Lesegerät auszulesen. Eine Tattoowierung (etwa 7 Euro) im Ohr besteht aus zwei Nummern, einer, über die das Tier der betreuenden Haustierarztpraxis zuzuordnen ist und einer fortlaufenden spezifischen Nummer für das Tier. Der Nachteil einer Tattoowierung sei, dass diese je nach Beschaffenheit der Haut mit der Zeit verblasst. Zudem erfordert ein Tattoo Narkose, das Chippen nicht. Die Nummer von Tattoo oder Chip sollte im nächsten Schritt zusammen mit den Kontaktdaten zu den Besitzern im Haustierregister hinterlegt werden. In der Regel notiere der behandelnde Tierarzt die Nummer in der Karteikarte sowie im Impfausweis.

Das sagt die Tierärztin

Laut Tierärztin Hannah Reiter aus Lohfelden ist das Registrieren eine Aktion zugunsten des Tierwohls, hat aber auch finanzielle Aspekte. Landet ein herrenloses verletztes Tier nach einem Unfall in der Tierarztpraxis, ist bei einem nicht registrierten Tier zum Beispiel unklar, wer die Kosten für die Behandlung trägt. Eine Registrierung trage zudem dazu bei, dass Halter sorgfältiger mit ihrem Tier umgehen: „Schließlich kann das Tier ihnen im Zweifel zugeordnet werden.“ 


Genau das sei ihrer Einschätzung nach auch ein Grund dafür, dass manche Besitzer ihr Tier nicht registrieren lassen. „Man kann es nicht einfach aussetzen, wenn man es nicht mehr haben will.“ Irgendwann sei es einfach nicht mehr klein und niedlich, sondern mache Arbeit und sei ein Problem bei Urlaubsreisen. Das treffe natürlich nicht grundsätzlich zu, so die Tierärztin, aber es ist ein Aspekt. „Vielen Leuten ist es auch unheimlich, ihre Daten zu hinterlegen.“



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