Sex und viel Spannung

Erfolgs-Autor Löhr las im Lohfeldener Bürgerhaus aus „Der Schachautomat“

Spannende und erotische Geschichte zugleich: Der Autor Robert Löhr (rechts) las im Bürgerhaus Lohfelden aus seinem Erfolgsroman „Der Schachautomat“. Mit auf dem Bild, vor seinem Nachbau des „Schachtürken“, ist der Lohfeldener Schachinstallations-Künstler Bernd Besser. Foto: Wohlgehagen

Lohfelden. Mit einer Lesung von Robert Löhr (41) eröffnete die VHS Region Kassel jetzt die neue Reihe „Schach in der Kulturgeschichte".

Der Berliner Schriftsteller, Filmemacher und Puppenspieler stellte im Bürgerhaus sein Buch „Der Schachautomat" vor, mit dem er seinen bisher größten Erfolg als Roman-Autor errang.

Den Stoff für das bislang in 25 Sprachen übersetzte Buch lieferte der 1770 erbaute schachspielende Automat des Erfinders Baron Wolfgang von Kempelen, der neben dem berühmten Schachtürken auch eine Sprechmaschine, den Vorläufer des Telefonapparates, konstruiert hatte.

Der in ganz Europa präsentierte Schachautomat sollte sich viel später als eine brillante Täuschung erweisen. Die Zuhörer in Lohfelden fieberten mit, als Robert Löhr Auszüge aus seiner frei erfundenen Geschichte um die tatsächlichen Abläufe am Hofe der Kaiserin Maria Theresa in Wien oder in der Stadt Preßburg, dem heutigen Bratislava, vortrug.

Hauptfigur des Romans ist nicht der Erfinder der überall als Sensation gefeierten Schachmaschine, sondern der kleinwüchsige Tibor Scadanelli, der den holzköpfigen Schachtürken mit dem sensiblen Mechanismus der Finger aus dem Innern steuerte. Bisher von der Gesellschaft ausgestoßen, genießt der von Betrug, Raub, Haftstrafen und Hunger geprägte Italiener sein neues Leben in der fremden Haut.

Besessener Erfinder

Wolfgang von Kempelen erscheint in Robert Löhrs Roman, der auch mit einer kräftigen Portion Sex und Spannung geschrieben ist, als ein besessener Erfinder, der auch über Leichen geht. Überhaupt lastet auf dem Türken ein Fluch. Jedem, der der Maschine zu nahe kommt, stößt ein Unglück zu. Als eine schöne Aristokratin zu Tode kommt, wird Tibor, der Maschinenmensch, zum Ziel von Hetze und Intrigen.

Die Besucher genossen es, in eine Zeit hinein zu schmecken, in der Mathematik und Naturwissenschaften in die Gesellschaft drängten. Sie erfuhren, dass man nur vermuten kann, warum von Kempelen den Automaten im Aussehen eines Türken konstruierte. Er habe auf jeden Fall dem Stil der Zeit entsprochen und vermittelte einen Hauch von Erotik, hieß es. Das trifft sicher auch auf den Nachbau des Lohfeldener Schach-Künstlers Bernd Besser zu, dessen Installation einen trefflichen Hintergrund für die Lesung lieferte.

Die VHS-Reihe zur Schachkulturgeschichte wird am heutigen Donnerstag (ab 19 Uhr im Schachmuseum, Ochshäuser Dorfstraße 20) mit einem Vortrag von Siegfried Schönle fortgesetzt.

Von Hans-Peter Wohlgehagen 

Service: Der Roman „Der Schachautomat“ von Robert Löhr,

Piper Verlag 2005, ISBN 3-492-04796-3, 406 Seiten, 19,90 Euro.

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