Unternehmen fertigt aus Zeitungspapier ökologische Dämmstoff-Flocken

Firma Isofloc im Lohfeldener Gewerbegebiet hat dicht gemacht

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Verlassenes Gelände: Die Firma Isofloc wurde nach 35 Jahren im Lohfeldener Gewerbegebiet geschlossen. 

Lohfelden. Nach 35 Jahren hat die Firma Isofloc ihren Standort im Lohfeldener Gewerbegebiet aufgegeben. Das Unternehmen fertigt aus Zeitungspapier ökologische Dämmstoff-Flocken.

Das Gelände Am Fieseler Werk 3 ist menschenleer, nur vereinzelt stehen noch Container herum, die Rollläden sind geschlossen: Still und heimlich hat sich das Unternehmen Isofloc aus Lohfelden verabschiedet – nach 35 Jahren. Die Firma hat aus altem Zeitungspapier ökologische Dämmstoff-Flocken gefertigt, die in Gebäude-Hohlräume geblasen werden und so vor Wärmeverlust und Hitzestau schützen. So wurde beispielsweise auch die Niederlassung des Niestetaler Solartechnik-Herstellers SMA im Gewerbegebiet Sandershäuser Berg gedämmt.

Wie eine Isofloc-Sprecherin des Berliner Standorts auf HNA-Anfrage bestätigte, sei die Niederlassung in Lohfelden bereits seit November vergangenen Jahres geschlossen. Über die genauen Gründe für das Aus der Produktionsstätte hält man sich bedeckt: „Die Abwicklung war eine Gesellschafterentscheidung.“ Fakt ist jedoch: Am 1. Januar 2018 hat Raiko Stieler das Unternehmen als neuer Eigentümer übernommen, heißt es auf der Internetseite von Isofloc.

Wie ein ehemaliger Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, berichtet, seien die verbliebenen zwölf Mitarbeiter bis zum 30. Juni freigestellt worden. Der Betriebsrat wolle vor dem Arbeitsgericht eine bessere Abfindung erreichen – bislang sei den Arbeitnehmern ein Monatsgehalt angeboten worden.

Insolvenz im Jahr 2002

Das Unternehmen hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Seit einer Insolvenz im Jahr 2002 und Streitereien um die Geschäftsführung im Jahr 2006, ging es mit dem neuen Geschäftsführer Ahmed Al Samarraie wieder bergauf. Es folgten erfolgreiche Jahre für die ökologisch orientierte Firma. 2006 soll die Isofloc Wärmedämmung GmbH mit etwa 30 Beschäftigten – unter anderem in Produktion, Vertrieb, Marketing, Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung tätig – rund sechs Millionen Euro umgesetzt haben, drei Jahre später waren es bereits 37 Mitarbeiter und 8,3 Millionen Euro. Im gleichen Jahr kaufte Isofloc von der Spedition Ullrich die bisher angemietete 20 000 Quadratmeter große Fläche (das entspricht knapp drei Fußballfeldern) mitsamt Gebäuden für zwei Millionen Euro.

Im Jahr 2010 folgte für zwei weitere Millionen Euro der Aufbau einer zweiten Produktionslinie. Somit verließen jährlich 2,5 Millionen Säcke mit dem Zellulose-Dämmstoff das Stammwerk in Lohfelden und wurden in Containern zu den Baustellen gebracht. Dafür standen damals noch 200 Lastwagen-Container zur Verfügung. Die Jahreskapazität stieg damit auf 32 000 Tonnen.

Zwischenzeitlich war das Lohfeldener Unternehmen Isofloc sogar Marktführer in Deutschland mit einem 60-Prozent-Anteil bei ökologischen Dämmstoffen.

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