Junge Männer sind dankbar

Flüchtlinge in Lohfelden: Bislang keine Probleme

Sichtschutz: Die Flüchtlings-Unterkunft in Lohfelden wird vor neugierigen Blicken abgeschirmt. Die Hornbach-Schilder am Gebäude wurden abmontiert. 323 Männer sind zurzeit hier untergebracht, bis zu 800 Menschen – dann auch Frauen und Kinder – sollen hier Platz finden. Fotos: Schindler

Lohfelden. Die Erstaufnahme-Unterkunft bei Hornbach in Lohfelden wurde vergangene Woche mit 323 Flüchtlingen belegt. Probleme gibt es bisher nach übereinstimmenden Aussagen nicht.

Das Straßenbild hat sich geändert: Wer dieser Tage zum Möbeldiscounter Poco oder zum Bau- und Gartenmarkt Hornbach in Lohfelden fährt, sieht unterwegs Grüppchen von jungen Männern. Es sind Flüchtlinge, die seit vergangenem Donnerstag in dem früheren Hornbach-Gartencenter untergebracht sind.

Sie telefonieren mit Angehörigen in ihrer Heimat, erkunden die Gegend und schauen, wo sie auf ihrer Flucht aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak gelandet sind - Lohfelden also, eine Gemeinde vor den Toren Kassels mitten in Deutschland. „Wir sind glücklich“, sagt Wasim Raza (26) in gebrochenem Deutsch, als wir ihn an der Straße ansprechen. Der Zutritt aufs Gelände wird Besuchern und auch der Presse verwehrt. Der Bauingenieur aus Pakistan hat sich im August auf den Weg gemacht. Die Taliban und die Armut waren seine Triebfeder, berichtet er auf Englisch. Über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich kam er nach Deutschland. Ein junger Albaner berichtet aus der Unterkunft: Alle respektieren sich.

Die jungen Männer sind dankbar. Es sei sehr gut hier, das Essen, die Heizung; alle seien freundlich. Das allgemeine Fazit: „no problem“. Eines möchten sie gern sofort: Deutsch lernen und dann arbeiten. Aber vorerst heißt es: Warten. Warten, dass man seinen Asylantrag stellen kann, warten, bis darüber entschieden ist.

323 Männer sind in der Unterkunft Hornbach untergebracht, teilte das Regierungspräsidium (RP) Kassel am Montag auf Anfrage mit: Sie kommen aus Syrien (124 Personen), Pakistan (107), Afghanistan (60), dem Irak (14), Albanien (12), Algerien (5) und der Türkei (1).

Jetzt rechne man mit Ankunft weiterer Flüchtlinge in Lohfelden gerechnet, bis alle 800 Plätze belegt sind. Dann werden auch Frauen und Familien darunter sein, denn die hochwertige Unterkunft eigne sich sehr gut dafür, meint RP-Sprecher Michael Conrad. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung sei groß. Am gestrigen Montag gab es keine Neuankömmlinge, zunächst müsse die Stromversorgung repariert werden, hieß es. Die Trafostation war durchgebrannt, Techniker von Energienetz Mitte sind vor Ort. „Keine Probleme“ mit den Flüchtlingen sieht Udo Reihert, Inhaber des Edeka-Markts in der Hauptstraße. Grüppchen von Flüchtlingen hätten sich in seinem Laden neugierig umgesehen. Nun würden sie eher nach Kassel fahren, das sei wohl interessanter.

Flüchtlinge kommen in Lohfelden an

Bürgermeister Michael Reuter (SPD) will mit seiner Verwaltung dafür sorgen, dass die Hilfe aus der Bevölkerung bei den Flüchtlingen ankommt. Er habe nach der Infoveranstaltung vergangene Woche viel Zuspruch aus allen politischen Lagern und gesellschaftlichen Kreisen erhalten, sagt er.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben derweil die E-Mails gesichtet, die RP Dr. Walter Lübcke nach seinen Äußerungen bei der Info-Veranstaltung in Lohfelden erhalten hat. Der „deutlich überwiegende Teil“ enthalte beleidigenden Inhalt, sagte Polizeisprecher Torsten Werner auf HNA-Anfrage. „Eine wenige“ erfüllten den gesetzlichen Tatbestand der Bedrohung. Werner: „Die Ermittlungen dazu dauern an.“ 

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