Mann entging Haftstrafe vor Gericht

Geflügelhändler aus Lohfelden verkaufte aufgetautes Fleisch als Frischware

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Eine Gefahr für Verbraucher bestand laut Gericht: Ein vorbestrafter Geflügelzüchter, der einen Hof in Lohfelden (Kreis Kassel) betreibt, gestand inzwischen die falsche Deklaration von über 20 Tonnen Fleisch. In Wahrheit war das Geflügelfleisch aufgetaut, also kein Frischfleisch. Hätten das die Kunden gewusst, wäre ihnen möglicherweise der Entenbraten im Halse steckengeblieben.

Kassel. Skandal um einen Geflügelhof in Lohfelden: Der Betreiber verkaufte aufgetautes Fleisch als Frischware. Konventionelle Haltung gab er zudem als Freilandhaltung aus.

Zu einer Strafe von 100.000 Euro und zwei Jahren Freiheitsentzug - auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt - hat das Amtsgericht Kassel den Betreiber eines Geflügelhofs in Lohfelden verurteilt.

Der 54-Jährige aus Westfalen habe Ende 2013 zwölf Tonnen Gänse aus konventioneller Haltung als Freilandware in den Verkehr gebracht, um einen höheren Gewinn zu erzielen. Die Ware wurde also einfach umetikettiert. Das sah das Schöffengericht als erwiesen an. Der verteidiger des Mannes sah dieses Vergehen  „bestenfalls als Ordnungswidrigkeit“. Am Ende konnte er sich aber mit seiner Meinung nicht durchsetzen.

8000 Kilo Entenfleisch aufgetaut

Schlimmer noch wertete Richterin Sabrina Müller-Krohe den Verkauf von 8000 Kilogramm aufgetauten Entenfleischs, das der Angeklagte als Frischware deklariert habe. Das sei eindeutig Betrug, sagte die Richterin. Durch den Auftauprozess habe letztlich auch eine „Gefahr“ für die Verbraucher bestanden, die glücklicherweise keine schwerwiegenden Folgen gehabt haben, sagte Richterin Sabrina Müller-Krohe.

Wer bekam das Fleisch? Restaurants in Nord- und Osthessen und Westfalen, Fleischerdienste, die Firma Rhön-Energie, das frühere Tegut-Tochterunternehmen Kurhessische Fleischwaren, selbst eine Erlebniskochschule hatten dem schwergewichtigen Mann vertraut.

Staatsanwalt Thöne erklärte dazu: „Die Ware wäre nicht veräußerbar gewesen.“ Der Verkauf aufgetauten Geflügelfleischs ist in Deutschland verboten. 

Gänse und Enten nicht aus eigener Haltung

Die Gänse und Enten stammten zum weit überwiegenden Teil nicht aus eigener Haltung. Vielmehr hatte der Züchter das meiste Fleisch von zwei Kollegen zugekauft und weiterveräußert. Dass mit der Deklaration der Produkte etwas nicht stimmte, war einem Kontrolleur des Veterinäramtes Fulda bei der Kontrolle eines dortigen Tegut-Marktes aufgefallen. Danach kamen die Ermittlungen durch das Regierungspräsidium Gießen in Gang. 

Im Juli 2016 war der Angeklagte vom Amtsgericht Meiningen bereits zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. In einem Thüringer Zweigbetrieb soll er zu viele Hühner auf zu engem Raum gehalten haben. Der mann war also vor dem Prozess in Kassel vorbestraft.

Gefängnis bleibt Geflügelzüchter aus Lohfelden erspart

Im Kasseler Prozess räumte der 54-Jährige zunächst nur den Verkauf des aufgetauten Entenfleischs ein. Erst als das Gericht ihm bei einem Geständnis eine Bewährungsstrafe in Aussicht stellte, gab er die Umdeklaration der konventionell gezüchteten Gänse in Freilandgänse zu. Das Rechtsgespräch der beiden Anwälte aus Mainz mit dem Staatsanwalt und dem Gericht hinter verschlossenen Türen verschonte den Betreiber eines Lohfeldener Geflügelhofes vor einer Haftstrafe. Zwar muss der in Kassel geborene und in Brakel in Westfalen wohnende 54-Jährige die nächsten fünf Jahre jeweils 20.000 Euro für gemeinnützige Zwecke zahlen. Doch wenn er die 100.000 Euro Geldstrafe abgestottert hat und sich in dieser Zeit sonst nichts zuschulden kommen lässt, dann bleibt ihm das Gefängnis erspart.

„Frische ist für uns oberstes Gebot“, so wirbt der Geflügelhof noch immer auf seiner Internetseite um Kunden. Das Gericht hofft, dass das künftig klappt: „Wir gehen davon aus, dass der Laden jetzt ordnungsgemäß läuft“, sagte Richterin Müller-Krohe.

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