Nun gibt es in Lohfelden Box-Event

Hier sollen schon die Geissens gekauft haben: Luxusautohaus hat neuen Besitzer

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Noch sind die Spuren der Vergangenheit erkennbar: Die Schilder der insolventen LSV GmbH werden bald überklebt.

Lohfelden. Das Luxusautohaus LSV in Lohfelden ist insolvent. Dort sollen schon die Klitschkos und die Geissen gekauft haben. Das Geschäft mit teuren Autos läuft dennoch weiter.

Es ist dunkel geworden im Luxusautohaus in Lohfelden. In den Motorhauben von Porsche, Bentley und Jaguar spiegeln sich keine Strahler mehr. Laut Google-Eintrag ist die „Luxury Selected Vehicles GmbH“ (LSV) „dauerhaft geschlossen“. Das Geschäft mit teuren Autos läuft dennoch weiter.

So hat die HNA-Recherche ergeben, dass die seit dem vergangenen Jahr insolvente LSV GmbH einen Nachfolger hat: NH Automobile. Ihr Geschäftsführer ist der Ex-LSV-Mitgesellschafter Dr. Norbert Heske. Die Geschäfte regelt der von der GmbH angestellte Prokurist Thomas Pausch. Der sagt, die Geschäfte laufen trotz ausgeschaltetem Licht. Man beschränke sich auf den Online-Handel. „Hier gibt es keine Laufkundschaft“, so der Jurist. Auf der Internetseite werden aktuell fünf Autos angeboten, darunter ein Bentley für rund 170.000 Euro und ein Porsche für rund 50.000 Euro.

Thomas Pausch

Und das Autohaus in Lohfelden? Der Plan sei, es weiterhin als Verkaufsfläche zu nutzen und das Konzept zu erweitern. „Wir wollen das Haus mit Leben füllen.“ Für September ist ein Boxevent geplant. Organisator ist der Ex-Profiboxer Mohammad Rasuli aus Kassel. „Boxen und Autos, das passt zusammen“, sagt Rasuli, der auch Chef der Kasseler Sicherheitsfirma „Security Rasuli“ ist. Da sich das Publikum seiner Box-Events – die letzten drei Male fand es im Autohaus Glinicke statt – mit den Liebhabern von Luxuskarossen deckt, biete das Autohaus in Lohfelden einen optimalen Rahmen. Auch sei hier genug Platz für die erwarteten 600 bis 800 Zuschauer – Glas und Stahl „passen einfach zum Boxen“.

Für die an den Verkaufsraum angegliederte Werkstatt sucht man jetzt einen selbständigen Werkstattmeister, der mit Sportwagen vertraut ist und auch die Wagen der Kunden von NH Automobile betreuen kann. Man befinde sich bereits in Verhandlungen, sagt Prokurist Pausch.

Auch Geschäftsführer Heske, der in der Medizintechnik tätig ist, hofft, dass sich das Geschäft nach den Entwicklungen im vergangenen Jahr wieder „aufbaut und erholt“. Auf HNA-Anfrage schildert er seine Enttäuschung über die Entwicklung der LSV GmbH seit seinem Kauf von Immobilie und Grundstück 2015: „Ich habe eine Investition getätigt mit der Erwartung eines Wachstums.“ Er sei auf einen jungen Mann getroffen, einen „Autofreak“, der den Eindruck machte, als könne man mit ihm ein Autohaus eröffnen. Aus heutiger Sicht sei das ein Fehltritt gewesen.

Dieser Porsche wurde gerade verkauft: Das Geschäft des ehemaligen Luxusautohauses in Lohfelden beschränkt sich aktuell auf den Online-Handel. Nach der Insolvenz der Luxury Selected Vehicles GmbH im vergangenen Jahr gründete einer der Gesellschafter eine neue GmbH

Der besagte junge Mann ist Tassilo Busch, der bei LSV als Verkaufsleiter in Erscheinung trat (wir berichteten). Seine Mutter Iris Busch war Mitgesellschafterin der GmbH. Der neue Name des Hauses wird voraussichtlich etwas schlichter ausfallen. Zur Auswahl stehen derzeit „Autohaus“ und „Traumgarage“, erzählt Pausch.

Vorhandene Schilder sollen überklebt werden, „alles, was Luxury Selected Vehicles war, kommt weg“. Um das Vermögen der LSV GmbH kümmert sich ein Insolvenzverwalter. Zu den aktuell noch laufenden Verfahren vor Gericht wollte Prokurist Thomas Pausch sich nicht äußern.

Chronologie des Autohauses

Im April 2014 eröffnete die Firma „Luxury Selected Vehicles“ (LSV) um Mitgesellschafterin Iris Marina Busch und ihren Sohn Tassilo Busch in den ehemaligen Räumlichkeiten von Peugeot Creuzer in Espenau-Hohenkirchen. Man gab an, unter den Käufern der Luxus-Autos sei die Königsfamilie aus Monaco.

Im Juni 2015 zog LSV nach Lohfelden in ein ehemaliges Autohaus von Glinicke um. Neben den Klitschko-Brüdern soll nach Angaben des Verkaufsleiters Tassilo Busch auch die Millionärin Carmen Geiss, bekannt aus der TV-Serie „Die Geissens“ dort gekauft haben: Einen umgebauten Rolls Royce Ghost (Baujahr 2015) für Ehemann Robert.

Im Juli 2015 wurde bei einem SEK-Einsatz am Autohaus ein 35-jähriger LSV-Kunde festgenommen. Dabei wurde ein Pitbull-Terrier erschossen, den der Festgenommene laut Staatsanwaltschaft auf die Polizisten gehetzt hatte. Dem Mann, der Mitglied einer rockerähnlichen Gruppierung gewesen sein soll, warf man räuberische Erpressung vor.

Im April 2016 meldete LSV-Geschäftsführer und Mitgesellschafter Dr. Norbert Heske vorläufige Insolvenz an. Das Amtsgericht Kassel bestellte Rechtsanwalt Carsten Koch zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

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