Ärger um Haus in Fuldabrück

Anwalt über Fallstricke beim Vererben: "Bei Schenkungen unbedingt absichern"

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Ralf Schelkmann

Lohfelden. Viele Eltern verschenken Haus und Hof bereits zu Lebzeiten an ihre Kinder. „Vorweggenommene Erbfolge“ nennen Juristen eine solche Schenkung. Doch nicht selten folgt auf diese Entscheidung für die Eltern eine Menge Ärger.

Wir sprachen mit Ralf Schelkmann, Fachanwalt für Erbrecht in Lohfelden, über dieses Thema.

Herr Schelkmann, erleben Sie oft, dass es Streit wegen Schenkungen gibt? 

Ralf Schelkmann: Schenkungen führen leider sehr häufig im Nachhinein zu Streit. Ich habe schon erlebt, dass Kinder nach der Schenkung von ihren Eltern im eigenen Haus Miete verlangt haben. Die Eltern haben es bezahlt, nur um den Familienfrieden zu wahren. Denn das Letzte, was Eltern machen, ist, gegen die eigenen Kinder zu klagen.

Warum verschenken viele Eltern ihr Haus noch zu Lebzeiten an die Kinder? 

Schelkmann: Ich habe oft erlebt, dass die Kinder Druck machen und das Haus schon vorher übertragen haben möchten. Für viele Eltern hat die Schenkung aber auch einen psychologischen Effekt: Sie versuchen, die Kinder in die Pflicht zu setzen. Als Gegenleistung zur Schenkung erwarten viele häufig auch, dass sie im Alter gepflegt werden. Das könnte man auch als sogenannte „Pflegeverpflichtung“ bei der Schenkung vertraglich vereinbaren.

Kann man eine Schenkung auch wieder rückgängig machen? 

Zur Person

Ralf Schelkmann (49) ist Fachanwalt für Erbrecht. Gemeinsam mit seiner Ehefrau hat er eine Kanzlei in Lohfelden. Schelkmann studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und in Speyer am Oberrhein. Der 49-Jährige ist Vater von vier Kindern und nun seit 14 Jahren als Anwalt tätig.

Schelkmann: Theoretisch ja, in der Praxis ist es allerdings sehr schwierig, so etwas vor Gericht durchzusetzen. Unter zwei Bedingungen könnte eine Schenkung rückgängig gemacht werden: Zum einen wegen groben Undanks des Beschenkten und zum anderen wegen Verarmung des Schenkers. Für Ersteres müsste jedoch einiges passieren, damit es vor Gericht anerkannt wird. Beispielsweise wenn der Schenker vom Beschenkten mit dem Tod bedroht würde.

Kann man sich bei der Schenkung absichern, damit später eine Rückabwicklung möglich ist? 

Schelkmann: Ja, das kann etwa in der Weise geschehen, dass sich die Übergeber das Recht im Vertrag vorbehalten, die Immobilie zurückzufordern, wenn das Kind vor den Eltern stirbt oder wenn eine Zwangsvollstreckung gegen das Kind vorliegt. Außerdem kann man festlegen, dass das Haus nicht ohne die Zustimmung des Schenkers veräußert werden kann. Wird es dann verkauft und liegt keine Zustimmung der Eltern vor, dann geht die Immobilie nach Ausübung des Rückforderungsrechts zurück an den Schenker. Das sollte man auf jeden Fall vereinbaren, ganz egal, wie gut man sich auch mit dem Beschenkten versteht.

Was raten Sie Hausbesitzern? 

Schelkmann: Für die meisten ist die eigene schuldenfreie Immobilie das Lebenswerk und der Grundstock für die Altersvorsorge. Mit der Schenkung gibt man dieses Vermögen komplett aus der Hand. Deshalb empfehle ich die vorweggenommene Erbfolge nicht. Will man doch das Haus als Schenkung übergeben, dann muss erstens unbedingt im Grundbuch eingetragen werden, dass man ein Wohnrecht auf Lebenszeit hat (dann gilt es nämlich auch uneingeschränkt bei einem Eigentümerwechsel) und zweitens sollte unbedingt vertraglich vereinbart werden, dass das Haus nicht ohne Zustimmung des Schenkers veräußert werden darf. (cha)

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