Nächtliche Sperrung in diesem Jahr aufgehoben

Krötenwanderung: Kein Fahrverbot zwischen Vollmarshausen und Kaufungen

Derzeit überqueren wieder zahlreiche Frösche und andere Amphibien Straßen, um zu ihren Laichplätzen zu kommen. Ein nächtliches Fahrverbot zwischen Vollmarshausen und Kaufungen gibt es in diesem Jahr allerdings nicht. 

Im Frühling wandern Frösche, Kröten und andere Amphibien zu ihren Laichplätzen. Dabei kann es durchaus passieren, dass sie auf ihrem Weg eine Straße überqueren müssen. So auch auf der Landesstraße zwischen Lohfelden-Vollmarshausen und Niederkaufungen. 

Um den unter Naturschutz stehenden Tieren einen sicheren Überweg zu ermöglichen, wurde in den vergangenen Jahren die Straße während der Wanderungszeit über Nacht gesperrt. In diesem Jahr ist dies allerdings nicht der Fall.

„In den vergangenen Jahren haben wir das Wanderungsgeschehen beobachtet und sobald es nötig war, wurde eine Schranke installiert“, erklärt Manfred Henkel, zweiter Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Kaufungen/Lohfelden. Dass die Straße in diesem Jahr nicht gesperrt wird, habe er von Anwohnern erfahren. In dem entsprechenden Abschnitt gibt es mehrere Teiche und Feuchtwiesen, weshalb die Kröten auf einer Strecke von etwa einem Kilometer von beiden Seiten aus die Straße queren.

Diese Straßen sind von der Krötenwanderung betroffen bzw. nicht betroffen. Für die gesamte Ansicht klicken Sie bitte oben rechts auf den Pfeil. 

„Da wir keine Vorlaufzeit hatten, ist es schwer, genügend Ehrenamtliche zu mobilisieren, die die Kröten mit Eimern auf die andere Seite bringen“, sagt Henkel. Weil die Kröten in der Dämmerung und im Dunkeln wandern, sei es aufgrund der vorbeifahrenden Autos gefährlich, sich auf der Straße zu bewegen. „Wir können von den Ehrenamtlichen nicht verlangen, dass sie sich in Gefahr begeben“, fügt er hinzu. In der Vergangenheit habe es außerdem Exkursionen gegeben, die man aufgrund des Verkehrs in diesem Jahr nicht mehr anbieten könne.

Auf Anfrage der HNA betont Michael Conrad, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Kassel, dass großer Wert auf Artenschutz gelegt werde, eine Sperrung in diesem Jahr aber nicht möglich sei, da aufgrund einer Baustelle die Ortsdurchfahrt von Vollmarshausen gesperrt ist und deshalb die Landstraße nach Niederkaufungen als Umleitung fungiert. Dies bestätigen Hessen Mobil und die Gemeinde Lohfelden. 

Freie Fahrt: Manfred Henkel, zweiter Vorsitzender des Naturschutzbundes Kaufungen/Lohfelden, zeigt, wo in den vergangenen Jahren die Straße gesperrt wurde.

Bezüglich des Schutzes der Amphibien verweisen beide auf die Zuständigkeit des Regierungspräsidiums. „Eine alternative Umleitung, wie die vom Nabu vorgeschlagene Crumbacher Straße, ist nicht möglich, da diese aufgrund einer anderen Baustelle eine erhöhte Verkehrsbelastung aufweist“, erklärt Lohfeldens Bürgermeister Uwe Jäger (SPD). 

Außerdem könne die andere Umleitung nicht von Lkws genutzt werden. Wie die Amphibien in diesem Jahr doch noch geschützt werden können, bleibt abzuwarten. „Wenn es nicht anders geht, müssen wir eben doch Zäune aufstellen“, sagt Manfred Henkel.

Hintergrund: Amphibien wandern wieder 

In jedem Jahr wandern Kröten, Frösche und andere Amphibien von ihren Winterquartieren im Wald zu Teichen und Seen, um dort zu laichen. Da sie auf diesem Weg oft Straßen überqueren, müssen an diesen entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Möglich sind zum Beispiel Krötenfangzäune, die den Amphibien den Weg über die Straße versperren, damit sie von ehrenamtlichen Helfern sicher in Eimern auf die andere Seite gebracht werden können. 

Denkbar sind auch nächtliche Sperrungen von Straßenabschnitten oder dauerhafte Lösungen in Form von Tunneln, die unter der Straße hindurch führen. Bereits die Druckwellen von vorbeifahrenden Autos können für die Tiere tödlich sein. 

Von Marie Sangmeister 

Rubriklistenbild: © Archivbild: Gerlinde Yakisikli /nh

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