Aktueller Fall in Lohfelden

Es juckt wieder: Weiterer Fall von Krätze in Lohfelden

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Krätzemilbe unter dem Mikroskop.

Kreis Kassel. Eine alte Krankheit tritt wieder häufiger auf: Mediziner beobachten immer mehr Fälle von Krätze. Nun gibt es einen Fall an der Söhre-Schule und außerdem einen im ASB Pflege- und Wohnheim in Lohfelden. Wie kann man sich schützen?

Aktualisiert um 17.39 Uhr - Die Krätze verbreitet sich gerne in Einrichtungen, in denen viele Menschen leben und intensiven Hautkontakt haben. Das trifft auch auf Altenheime zu und auch das ASB Pflege- und Wohnheim Lohfelden hat es getroffen. Darauf wiesen HNA-Leser hin, nachdem wir über den Krätzefall an der Söhre-Schule Lohfelden berichteten. 

„Wie die Krätzemilbe in unsere Einrichtung gekommen ist, kann nur vermutet werden“, erklärt Einrichtungsleiterin Ute Schwendt. Durch die mehrwöchige Inkubationszeit könne schließlich jeder Mensch, der mit einem anderen längeren Hautkontakt hatte, die Krankheit übertragen, ohne es zu wissen. Laut Schwendt ist es der erste Ausbruch der Krätze in der Einrichtung in 26 Jahren. Bei Krätze in Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeheimen muss das Gesundheitsamt und die Hessische Betreuungs- und Pflegeaufsicht benachrichtigt werden. 

In Zusammenarbeit mit den Ämtern, der Hygienebeauftragten, dem Pflegedienstleiter und den Hausärzten der Bewohner sei ein gemeinsames Konzept erstellt worden, erklärt Schwendt. „Alle Bewohner und Mitarbeiter wurden prophylaktisch behandelt und die Einrichtung wurde hygienisch sozusagen “saniert“.“ Dazu gehöre auch das Absaugen aller Polstermöbel und der Austausch von Bettdecken und -kissen. Der gesamte Prozess sei dank guter Zusammenarbeit sehr schnell vonstattengegangen. Schwendt setzt sich dafür ein die Krankheit nicht zu stigmatisieren: „Da man sich vor der Krätze nicht schützen kann, ist es wichtig, offen damit umzugehen.“ 

Nur durch Hautuntersuchungen bei Bewohnern und sorgfältige Beobachtung der Mitarbeiter könne man die erforderlichen Schritte in Seniorenheimen rechtzeitig einleiten.

Krätze an der Söhre-Schule

 „An der Söhre-Schule in Lohfelden geht zurzeit die Krätze rum“ – mit dieser Nachricht wendete sich eine Schülerin an die HNA. Auf Nachfrage bestätigt Schulleiter Arno Scheinost, dass es einen einzelnen Fall der ansteckenden Hautkrankheit in der vergangenen Woche gegeben habe. „In meinen sechs Jahren hier gab es hier bisher noch keine solche Erkrankung“, erklärt Scheinost. Der Lohfeldener Fall gehört zu den etwa 50 bis 60 Meldungen aus Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen, die das Gesundheitsamt Region Kassel pro Jahr erhält.

Wie viele Menschen im Kreis pro Jahr Krätze, fachsprachlich Scabies, haben und ob es mehr werden – darüber gibt es laut Gesundheitsamt keine genauen Zahlen. Die Krankheit ist nicht meldepflichtig. Anders sieht es aus, wenn die Krankheit in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen auftritt. Dann muss das Gesundheitsamt informiert werden. 

Aber auch diese Daten müssen nicht an das Robert-Koch Institut übermittelt werden. „Somit gibt es keine bundesweiten Daten und keine Trendanalysen“, so Müller. „Aus unserer gefühlten Einschätzung heraus werden uns allerdings schon häufiger als noch vor einigen Jahren Krätzefälle gemeldet“, so Müller. Auch Mediziner in der Region wie der Kasseler Arzt Dr. Thomas Meyer verzeichnen deutliche Anstiege. Warum das so ist, sei aber nicht klar. Häufig trete Krätze an Orten auf, an denen Menschen oft engen Hautkontakt hätten.

Bei Verdacht oder Erkrankung in einer Gemeinschaftseinrichtung wie Schule oder Kita muss der Leiter sich an das Gesundheitsamt wenden, so Müller. Das betroffene Kind sollte nach Hause geschickt werden und darf nur nach Vorlage eines ärztlichen Attestes wieder am Unterricht teilnehmen. So ist es auch in Lohfelden geschehen. „Wir haben in solchen Fällen ein standardisiertes Vorgehen“, erklärt Schulleiter Scheinost. Man habe mit dem Gesundheitsamt gesprochen und die Eltern des betroffenen Jahrgangs per Brief informiert. Im Brief habe es neben Informationen zum Krankheitsbild auch den Hinweis gegeben, bei Auffälligkeiten einen Arzt aufzusuchen.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

Fragen und Antworten zur Krätze 

Was es mit der oft längst vergessenen Hautkrankheit Krätze auf sich hat, darüber haben wir uns mit Karin Müller unterhalten, Leiterin des Gesundheitsamts Region Kassel.

Was ist denn überhaupt Krätze? 

Die Krätze ist eine Hautkrankheit, die durch die Skabiesmilbe verursacht wird, erklärt Müller. Die Milben sind maximal einen halben Millimeter groß und damit mit bloßem Auge nicht erkennbar. Sie graben sich in die obere Hautschicht ein, wo die Weibchen Eier ablegen. Die Reaktion auf Milbenausscheidungen verursacht nach einiger Zeit Hautreaktionen.

Wie merkt man, dass man Krätze hat? 

Krätze führt zu Jucken und Brennen der Haut. „Befallen werden meist warme Körperregionen, wie zum Beispiel Zwischenräume zwischen Zehen und Fingern, Achseln und die Genitalregion“, sagt Müller. Die Haut reagiere nach einiger Zeit mit kleinen Pusteln oder Bläschen, so Müller. Allerdings ist Krätze schon ansteckend, bevor die Betroffenen Symptome zeigen. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung treten die Beschwerden bei einer ersten Infektion erst nach zwei bis fünf Wochen auf, bei einer Wiederansteckung nach ein bis vier Tagen.

Wie wird Krätze eigentlich übertragen? 

Krätze trete nicht nur bei mangelnder Hygiene auf, sagt Müller. Krätze werde vielmehr von Mensch zu Mensch und durch engen und längeren Hautkontakt verbreitet – etwa beim Kuscheln in der Kita, der Hautpflege im Altenheim oder bei Sex. „Durch ein einfaches Händeschütteln wird Krätze dagegen nicht übertragen“, sagt Müller. 

Wie wird die ansteckende Krankheit behandelt? 

Die Krankheit ist sehr gut behandelbar und heilt wieder aus, erklärt Müller. Für die Behandlung ständen wirksame Medikamente zur Verfügung. Sie würden in der Regel als Cremes, Sprays oder Salben auf der Haut aufgetragen. Seit 2016 sind in Deutschland auch Ivermectin-Tabletten zugelassen, die von Vorteil sind, wenn mehrere Körperstellen betroffen sind.

Was kann ich tun, wenn ich denke, dass ich Krätze habe? 

Mit Symptomen sollte man sofort zum Arzt gehen und engen Hautkontakt mit anderen vermeiden. Betroffene sollten, auch wenn die Übertragung über Textilien sehr selten ist, ihre Kleidung und Bettwäsche bei mindestens 60 Grad waschen. Hilfreich kann auch sein, die Kleidung einzufrieren oder sie mehrere Tage in Plastiksäcken zu verwahren. 

Ist die Krätze wirklich auf dem Vormarsch? 

Verlässliche bundesweite Daten gibt es nicht. Ein Indikator ist die Anzahl der Verordnungen von Medikamenten mit Wirkstoffen, die auch gegen Krätze eingesetzt werden. So berichtet die Krankenkasse Barmer einen bundesweiten Anstieg von 60 Prozent solcher Medikamente zwischen 2016 und 2017. Hessenweit stieg die Zahl der Verordnungen laut Barmer von 2169 auf 3400. Einen weit weniger dramatischen Anstieg zeigen die Diagnosen von Krätze in Krankenhäusern, die ebenfalls als Orientierung dienen können. Die Anzahl dieser Skabies-Diagnosen in Kliniken schwankte laut Müller zwischen 2727 im Jahr 2000 und 2773 im Jahr 2015.

Weitere Informationen gibt es auf einer Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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