Kampagne bis 29. September

Kreis Kassel hat meisten Bioabfälle in Hessen - und startet Tauschaktion für Bürger

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Biosamen für entsorgten Abfall: Horst Hartwich aus Wellerode mit Uwe Pietsch, Betriebsleiter der Abfallentsorgung im Kreis Kassel. 

Lohfelden. Biomüll bringen, Gutscheine für Kompost und Kresse bekommen. Mit dieser bundesweiten Kampagne soll auf die richtige Entsorgung von Bioabfällen aufmerksam gemacht werden. Auch der Landkreis Kassel ist dabei. 

Mit Wucht zieht Christian Kügler an dem Berg voller Äste und Schnitt, den er auf seinem Anhänger hat. „Der Herbst kommt, da fängt jetzt wieder die Gartenarbeit an“, sagt der Lohfeldener mit Schweißperlen auf der Stirn. Es ist die erste Ladung, die Kügler an diesem Tag in Lohfelden ablädt. „Einmal muss ich noch ran, den Rest bring’ ich morgen.“ Er ist einer der ersten, der auf dem Recyclinghof in Lohfelden an der bundesweiten Kampagne „Aktion Biotonne Deutschland“ teilnimmt, die bis Samstag, 29. September, läuft.

Die Idee: Wer Abfälle abgibt, der erhält einen Gutschein für 100 Liter Kompost und eine Tüte Biosamen für Kresse oder Sonnenblumen. Damit soll richtiges Verhalten belohnt und Aufklärung betrieben werden. „Ich wusste davon nichts, aber ich finde eine solche Aktion super“, sagt Kügler. „Eine tolle Sache“, findet auch Horst Hartwich aus Wellerode. Der 75-Jährige hat gerade zwei Kubikmeter Baumschnitt abgeladen. Dass etwas getan werde, um die Leute daran zu erinnern, wie Müll richtig entsorgt werden soll, befürworte er. Viel zu häufig entsorgten Leute ihre Abfälle im Wald oder an Wegrändern und trennten sie falsch.

Denn selbst „Biomüll-Meister“ irren sich manchmal und gehen in Sachen Mülltrennung und -entsorgung falsch vor. Kein anderer Landkreis in Hessen zähle so viel entsorgten Biomüll wie Kassel, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Menge an Bio-Abfällen bis 2017 um 13 000 Tonnen auf 43 777 Tonnen angewachsen.

Bei einer solchen Menge kann auch mal etwas schief gehen. In geschätzt jeder fünften Biomüll-Lieferung finden die Mitarbeiter des Hofs unerlaubte Materialien wie Milchtüten, Kunststoffe oder Glas, sagt Mitarbeiterin Melanie Thöne. Oft sei es Faulheit, manchmal aber auch Unwissenheit, schätzt Thöne.

Entlädt regelmäßig seinen Bio-Abfall an der Sammelstelle auf dem Recyclinghof: Christian Kügler aus Lohfelden.

Uwe Pietsch, Betriebsleiter der Abfallentsorgung im Kreis Kassel, der die Aktion betreut, schildert ein Beispiel: „Die Leute kaufen abgepackte Wurst, vergessen sie im Kühlschrank und werfen die schlechte Wurst dann mit Verpackung in den Biomüll.“ Für die Arbeiter bedeutet das aufwendige Nacharbeit. Das gilt auch für weggeworfenen Biomüll in Plastiktüten. Da versucht der Kreis Abhilfe zu schaffen: Biologisch abbaubare Beutel aus Kartoffel- und Maisstärke kann man im Kreishaus erwerben.

In Lohfelden sowie auf den Recyclinghöfen in Hofgeismar und Fuldatal kann alles abgegeben werden, was kompostierbar ist. Das sind Gartenabfälle, aber auch Obst- und Speisereste, Eierschalen und Kaffeefilter. Zwischen 120 und 200 Lieferungen würden in Lohfelden täglich gezählt, erklärt Abteilungsleiter Alexander Rink. Etwa die Hälfte aller Müll-Lieferungen auf dem Recyclinghof sind Bioabfälle. Auch ohne Aktion sind die Menschen im Kreis also meisterlich im Entsorgen, jetzt werden sie auch belohnt.

Tipps für Kompost im eigenen Garten: 

Der Kompost ist eine Alternative zur Biotonne, fungiert nebenbei als Blumenerde, Dünger und Bodenverbesserer und ist im eigenen Garten schnell eingerichtet. Reinhard Böth, Mitglied der Nabu-Ortsgruppe Kaufungen verrät, worauf zu achten ist.

Der Inhalt: 

Auf den Kompost dürfen: Rohe Gemüse- und Obstreste, Eierschalen, Rasenschnitt, Tee- und Kaffeesatz, Laub und Strauchschnitt, Rasenschnitt, verwelkte Blumen und Kräuter. 

Nicht auf den Kompost darf: gekochtes Essen, Aschereste, Schnittblumen, Papier- und Pappeabfälle, Zitrusfrucht-Überreste.

Die Grundregeln: 

Wichtig ist, dass der Kompost mit verschiedenen Schichten aus Materialien gemischt ist. Beispielsweise eine Erdschicht, gemischt mit einer Gras- und einer Laubschicht. Auch ungekochte Abfälle können vermischt werden. Eine weitere Regel: Der Kompost muss regelmäßig gegossen werden, damit er feucht bleibt. Um den Kompost anschließend besser im eigenen Garten zu verwenden, helfe es, den Kompost jeweils einmal im Frühjahr und im Herbst umsetzen.

Die Platzwahl: 

Optimal ist eine schattige Stelle, die leicht zu erreichen ist. Vorteilhaft sind Büsche oder Bäume, die rings um die Kompoststelle sind. Außerdem darf der Kompost nicht auf Beton errichtet werden, sondern unmittelbar auf der Erde.

Die Behälterwahl: 

Behälter gibt es verschiedene – aus Holz oder Metall. Neben offenen Kompostern gibt es sogenannte Wurmkisten, eine Holzkiste mit Bodenplatte und Deckel, in der mithilfe von Kompostwürmern aus organischem Abfall Humus entsteht.

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