Sie machen die Luft sicher

Lohfeldener Firma Dedrone hat Warnsystem gegen Drohnen entwickelt

Immer günstiger und leistungsfähiger: Für wenige Hundert Euro bekommt man im Handel Drohnen, die ihr Überfluggebiet mit Kameras ausspionieren und Lasten transportieren können. Die beiden Drohnenniloten auf diesem Bild führen nichts Böses im Schilde. Foto:  dpa

Lohfelden. Für wenige Hundert Euro bekommt man Drohnen, die mittels Kameras spionieren und Lasten transportieren können. Die Firma Dedrone hat gegen sie ein Warnsystem entwickelt.

Immer mehr Menschen legen sich frei verkäufliche, unbemannte Hobby-Fluggeräte zu. Die so genannten Drohnen werden immer leistungsfähiger, sie können ihr Überfluggebiet mittels Kameras ausspionieren und sogar Lasten befördern – etwa Drogen und Waffen in Gefängnishöfe oder schlimmstenfalls terroristische Bomben. Die Lohfeldener Firma Dedrone hat das enorme Bedrohungspotenzial in eine Geschäftsidee umgemünzt: Dedrone will im April das erste professionelle Drohnen-Erkennungs- und Warnsystem auf den Markt bringen.

Erst am Montag war auf dem Gelände des Weißen Hauses in Washington Sicherheitsalarm ausgelöst worden, nachdem dort die Spielzeugdrohne eines Hobbyfliegers abgestürzt war. Der Vorfall zeige „die immense Wichtigkeit eines funktionierenden Schutzsystems“, sagte Dr. Ingo Seebach, Gründer und Geschäftsführer von Dedrone.

Aus seinem Unternehmen Seetech heraus, das Hydraulikkomponenten für den Bergbau herstellt, hat er Anfang 2014 die Dedrone GmbH gegründet. Bei derzeit 300 000 weltweit verkauften Drohnen pro Monat sei „klar, dass irgendwann etwas passieren wird“, sagt Seebach. Gemeinsam mit drei Programmierern sei er diese Geschäftsidee als Chance angegangen.

Dr. Ingo Seebach

Seebachs „DroneTracker“ soll künftig vor allem Firmen und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen vor Spionage- und sonstigen Angriffen aus der Luft schützen. Das System lasse sich in bestehende Alarmanlagen integrieren. Jedes DroneTracker-Gerät, an Gebäudewänden, vor Fenstern oder an Zäunen angebracht, erfasse auf 100 Metern und in einem Winkel von 170 Grad mittels optischer und akustischer Sensoren, wenn sich eine Drohne nähert. Wird ein Flugobjekt erkannt, läuft ein Alarm beim Sicherheitspersonal auf, und eine Kamera speichere Fotos und Videobeweise.

Das Know-How „haben wir uns alles selbst erarbeitet“, sagt Seebach. Durch ausgefeilte Programmierungen könne die Sensortechnik etwa unterscheiden, ob sich ein Vogel, ein fehlgeleiteter Fußball oder eine sicherheitskritische Drohne im Anflug nähere.

Nur der Boden wird gesichert

„Firmen geben extrem viel Geld aus, um mit Zäunen und Kameras die ersten fünf Meter über dem Boden zu sichern“, sagt der Geschäftsführer. Das neue Risikopotenzial aus der Luft hingegen habe noch kaum jemand im Blick: „Mit der wachsenden Leistungsfähigkeit der Drohnen steigen auch die Möglichkeiten, sie für kriminelle Zwecke zu missbrauchen. “

Laut Seebach kann man die Dedrone-Warngeräte auch ambulant einsetzen – etwa, um bei Konferenzen einzelne Fensterfronten und Gebäudeteile vor dem Ausspionieren zu sichern. Es gebe schon zahlreiche Interessenten für die neue Luftüberwachungstechnik aus Nordhessen: Neben Industrieunternehmen und Sicherheitsbehörden sei die Sache zum Beispiel auch für Paparazzi-geplagte Prominente interessant.

Hintergrund: Drohnen-Alarm immer häufiger 

Meldungen über sicherheitskritische Vorfälle mit Drohnen häufen sich: In der Nacht zu Montag hatten Sicherheitsleute entdeckt, wie solch ein Flugobjekt über das schwer bewachte Gelände des Weißen Hauses in Washington flog und auf dem Grundstück abstürzte. Daraufhin wurde der US-Präsidentensitz vorübergehend abgeriegelt, Barack Obama und seine Familie waren währenddessen auf Staatsbesuch in Indien. Wie sich herausstellte, hatte ein Privatmann mit der Drohne gespielt - was über Washington aus Sicherheitsgründen streng verboten ist - und die Kontrolle über das Gerät verloren.

Vor wenigen Tagen wurde ebenso im Pariser Elysée-Palast Sicherheitsalarm wegen einer anfliegenden Drohne ausgelöst. Und an der Fassade eines Hamburger Untersuchungsgefängnisses stürzte eine mit Drogen beladene Schmuggel-Drohne ab.

Von Axel Schwarz

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