Lohfeldener in Kinshasa: „Helfen, wo wir helfen können“

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Vor zwei Wochen noch war Andreas Kirchhof ganz im Osten des Landes unterwegs. Dort schoss er dieses Foto. Es zeigt Flüchtlingskinder aus dem Südsudan direkt nach der Ankunft im Kongo. „Sie schliefen nach einwöchigem Marsch unter freiem Himmel“, erzählt Kirchhof. Das UNHCR brachte sie, wie Tausende anderer Südsudanesen, in einem Flüchtlingslager unter.

Lohfelden/Kinshasa. Wenn er in seinem Büro in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), sitzt, kommt er aus dem Telefonieren kaum heraus.

Es geht um Flüchtlingshilfe, die er organisiert, sein Arbeitgeber ist das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. „Die DR Kongo ist sehr komplex, ein riesiges Land, so groß wie West-Europa, das eigentlich viele kleine Länder vereint“, sagt Andreas Kirchhof, 44, aus Lohfelden-Vollmarshausen. „Und es gibt zahlreiche Konflikte, wie es auch von Konflikten in den Nachbarländern umgeben ist“. Flüchtlinge seien ein Dauerthema – von der Weltöffentlichkeit würden sie kaum wahrgenommen.

Aktuell lebten 460 000 Menschen aus Zentralafrika, aus Burundi und Ruanda und dem Südsudan in der DR Kongo, hinzu kämen rund drei Millionen Binnenflüchtlinge, die meist wegen politischer oder ethischer Konflikte ihre Heimatorte verlassen mussten.

Noch vor zwei Wochen war Kirchhof ganz im Osten des Landes nahe der Grenze zu Burundi. „Die Flüchtlinge dort schlafen inzwischen auf der Straße, weil das einzige Lager dort mit über 25 000 Menschen längst voll ist“, sagt Kirchhof. Zwar gebe es in Burundi keine offenen Auseinandersetzungen mehr, doch berichten die neu ankommenden Flüchtlinge, dass Menschen dort immer noch von Milizen misshandelt oder verschleppt werden. Grund: Nach dem Putschversuch an Präsident Pierre Nkurunziza am 13. Mai 2015 ist niemand mehr vor niemandem sicher.

Andreas Kirchhof in Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo, im Gespräch mit einem Arbeitskollegen. Foto:  Lubuku/UNHCR

„Aber das ist nur einer von vielen Konflikten, der Flüchtlinge in die DR Kongo treibt“, sagt Kirchhof. Alleine 80 000 Menschen sind jüngst aus dem Südsudan in die DR Kongo gekommen. Bürgerkrieg und Hunger trieben viele in die Flucht, im Land werde gemordet und gefoltert. Flüchtlinge schilderten, auch Soldaten seien daran beteiligt.

„Die Leute kommen hier nach einem Zehn-Tage-Marsch quer durch den Busch völlig erschöpft an“, sagt Kirchhof. Der Gesundheitszustand sei oft katastrophal. „Es ist schwer, hier schnelle Hilfe zu organisieren“. Die Straßen seien schlecht, oft ginge ohne Luftverbindung gar nichts.

Kirchhof arbeitet eng mit der Regierung der DR Kongo wie auch mit anderen internationalen und privaten Hilfsorganisationen zusammen. Er sammelt Geld, bündelt die Möglichkeiten, die sich bieten, um irgendwo in der DR Kongo schnell Hilfe zu leisten. Was ist an Versorgung schnell umsetzbar? Wo kommen Lebensmittel her, woher Medikamente? Und wo werden die Menschen untergebracht? In Lagern? Oder bei Familien vor Ort? Es ist immer ein Wettlauf mit der Zeit. Vieles gelingt, vieles aber auch nicht. „Es frustriert, wenn man helfen will, aber keine Mittel dafür da sind“, sagt Kirchhof.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet Kirchhof bereits für das Flüchtlingswerk UNHCR in Kinshasa. Er kommt viel herum, sieht die Not der Menschen allerorten. „Die Arbeit in einem Land, in dem extreme Armut herrscht, ist nicht einfach“, sagt er. Doch da, wo geholfen werden könne, werde auch geholfen.

Er tut das mit dem Wissen, dass sich damit die Probleme in der Mitte Afrikas nicht lösen werden. „Die grundlegenden Defizite wie fehlende politische, wirtschaftliche und rechtsstaatliche Stabilität können wir nicht lösen“, sagt Kirchhof. Wir können nur etwas humanitäre Hilfe leisten. Das aber will er noch lange machen.

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